Entscheiderinterview mit Falk S. Al-Omary - Peter Nickel

Entscheiderinterview mit Falk S. Al-Omary

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Falk S. Al-Omary hat sich als Experte für Egoselling und Selbstinszenierung einen Namen gemacht.

In dieser Funktion unterstützte er eine Reihe prominenter Persönlichkeiten, sich mediengerecht zu platzieren. Auch veröffentlichte er bereits erfolgreich Bücher wie „Bescheidenheit zieht Armut an“ und zahlreiche Fachbeiträge rund um die Themen Marketing, PR und Selbstinszenierung.

Peter Nickel: Was denken Sie zu dem Thema Entscheidungen?

Falk S. Al-Omary: Entscheidungen sind das Wichtigste im Leben. Sie müssen getroffen werden und vor allem müssen sie konsequent verfolgt werden. Meine Erfahrung ist, dass sobald eine Entscheidung getroffen wurde, auch wenn sie im Moment erst einmal schmerzt, sich dann in der Folge eine Menge neuer Optionen ergeben.

Ein Beispiel: Ich kündigte vor einigen Wochen einem Kunden, der mir im Grunde sehr wichtig war. Ich konnte ihm einfach nicht mehr helfen, beziehungsweise er wollte sich nicht länger helfen lassen, hat alle durch mich geschaffenen Optionen durch seinen Bedenkenträgerei ungenutzt gelassen. Ich beendete den Vertrag, obwohl es mit finanziellen Einbußen verbunden war. In Folge dessen ergab sich aber viel Klarheit über das, was ich wirklich wollte und wie meine Wunschmandanten zu sein haben. Es war am Ende auch unproblematisch, denn unmittelbar nach der Kündigung des Vertrages durch mich kamen sofort neue Mandanten. Die musste ich nicht einmal akquirieren. Die entstandene Lücke wurde sofort geschlossen. Und es waren genau diejenigen, die kamen, die meinem Ideal entsprechen. Die eigene Klarheit und die Konsequenz einer Entscheidung sorgen dafür, dass dadurch plötzlich neue, und genau die richtigen Türen aufgehen.

Entscheidungen kosten Mut, sich den aus ihnen resultierenden Konsequenzen zu stellen.

Peter Nickel: Angst vor Entscheidungen speist sich also aus der Angst vor unüberschaubaren Konsequenzen.

Falk S. Al-Omary: Genau. Entscheidungen nicht zu treffen, hängt immer mit der Sorge vor den Konsequenzen zusammen. Diese müssen aus meiner Sicht überwunden werden.  Ich will nicht sagen, dass Menschen völlig angstfrei sein sollen. Ängste haben auch ihre Berechtigung. Schließlich schützen Ängste vor falschen Entscheidungen und unwiderruflichen Fehlern. Als Unternehmer ist es auch sinnvoll, mal abzuwarten und nachzudenken. Aber wenn ich die möglichen Konsequenzen im Kopf schon mal durchgespielt habe, muss ich sie später weniger fürchten. Und dann gibt es immer die zweite Frage: Sind diese Konsequenzen wirklich schlimmer als so weiterzumachen wie bisher?

Entscheiden heißt verändern. Und die Veränderungen sind häufig für den Einzelnen nicht schön, weil sie Anpassungen erfordern, die sehr oft unbequem sind.

Peter Nickel: Gibt es eine Entscheidung, die sie stark beeinflusst hat, sei es beruflich oder privat?

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Falk S. Al-Omary: Ich habe lange Zeit eine GmbH gehabt und war mit dieser auf dem Markt präsent. Das passte aber irgendwie nicht, es fühlte sich nicht stimmig an. Mein Thema war und ist ja Personal Branding, Personen-PR, die Vermarktung einzelner Menschen, eben ein Personengeschäft. Eine Kapitalgesellschaft passt da nicht dazu. Also habe ich entschieden, mich auf einen fast zweijährigen Weg zu machen und alles auf meine Einzelfirma umzustellen – mit allen damit verbundenen Risiken und dem entsprechenden Aufwand.

Ich wurde  in der Politik sozialisiert, deshalb arbeite ich auch mit dem Begriff „Egoseller“. Politik ist für mich Ego-Shooting und Selbstdarstellung in Reinkultur. Daher habe ich für mich entschieden, dass die GmbH eben nicht die richtige Rechtsform für mich ist. Wer so zur Gesellschaft steht wie ich, sollte auch keine haben – schon gar keine mit beschränkter Haftung. Ich habe den vermeintlichen Schutz der GmbH aufgegeben. Ich stehe heute mit meinem eigenen Vermögen und meinem Image für alles, was ich mache. Auf diese Weise bin ich nun Vorbild für meine Mandanten und Teilnehmer meiner Vorträge. Alles wurde auf mich personalisiert. Seit dem funktioniert in der Firma vieles besser. Für mich ist die firmentechnische Umstrukturierung auch eine Konsequenz. Ich habe, nachdem ich fünf oder sechs Mal versucht habe, mein Unternehmen nach oben zu skalieren, gemerkt, dass ich kein Teamplayer bin. Ich will nicht mit anderen Menschen nah zusammen arbeiten müssen, da ich selber Einzelkämpfer bin. Dann muss man die Konsequenz daraus ziehen und sagen „Du bist nur bis zu einer bestimmten Ebene skalierbar. Du musst es allein machen.“ Ich habe das nie bereut.

Und auch diese Entscheidung war für mich sehr heilsam, weil ich ganz große Klarheit gewonnen habe, bezüglich dessen, wo ich eigentlich hin will. Das heißt, die klare Entscheidung, meinem Wesen entsprechend zu handeln und nicht mehr irgendwelchen Vorbildern nachzueifern, die sich nur an schierer Größe orientieren, die eindimensional auf Mitarbeiter- und Umsatzwachstum setzen, hat mein Business-Leben im Wesentlichen verändert – und zwar im positiven Sinne. Ich bin glücklicher Einzelkämpfer und dankbar, nicht mehr irgendwelchen Strukturen dienen zu müssen, von denen am Ende andere mehr profitieren als ich selbst. Mein Business, mein Leben, meine Verantwortung – für mich und für keinen anderen.

Peter Nickel: Haben Sie noch einen Tipp für unsere Leser?

Falk S. Al-Omary: Es darf aus meiner Sicht im Leben eines Entscheiders keine andere Orientierungslatte geben als die eigene. Ich, und nur ich, bin der Mittelpunkt meines Universums. Was ich entscheide, ist für mich richtig und das völlig unabhängig davon, was für andere richtig ist. Schließlich muss auch ich allein mit den Konsequenzen leben. Andere kann ich nach Feedback fragen, aber ich darf es mir nie zu Eigen machen, wenn es nicht in mein Weltbild passt.

Diese Einstellung kann man auch auf Kunden übertragen. Ich halte Kundenorientierung für den ersten Akt der Selbstverleugnung. Wenn ein Kunde von mir verlangt, etwas zu machen, was ich so nicht anbieten will, dann muss ich ganz klar „Nein“ sagen.  Das ist keine Absage an Höchstleistung, Service und Qualität – ganz im Gegenteil. Das alles muss stimmen, auf höchstem Niveau. Aber ich kann doch für den Kunden nur da Höchstleistung bringen, wo ich fachlich zu Hause bin und womit ich Freude und Identifikation empfinde. Ich sage also „Nein“ im Interesse des Kunden, auch dann, wenn ihm das in dem Moment nicht passt. „Nein“ sagen ist im Grunde eine viel ehrlichere Art des Servicegedankens als zu allem „Ja“ und „Amen“ zu sagen. Das meine ich, wenn ich von „Kundenorientierung ist Selbstverleugnung“ spreche. Es dient am Ende beiden Seiten.

Der nächste Punkt ist, dass ich auch mal bereit sein muss, auf einen Auftrag oder Geld zu verzichten. Ich darf niemals dem Geld nachjagen. Daran glaube ich ganz fest. Geld ist das Ergebnis der richtigen Entscheidung, Geld ist aber nie das eigentliche Ziel.

Peter Nickel: Vielen Dank für das Interview.

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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

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