Wie eine gute Streitkultur hilft, Entscheidungen zu treffen

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Vergangenen Samstag, am 10. Oktober 2015, hatte ich die Ehre, mit dem bekannten – und bei vielen gefürchteten – Juristen, Politiker, Publizisten und TV-Moderator Dr. Michel Friedman am Roundtable zu sitzen. Im kleinen Kreis mit weiteren Teilnehmern der Scherer-Akademie ging es um das Thema Streitkultur.

Ich war äußerst beeindruckt von Herrn Dr. Friedman, der nicht nur messerscharf argumentiert und gezielt nachfragt, sondern auch ein ausgeprägtes Gespür für Subtexte besitzt. Hochsensibel und mit viel Empathie leitete er die Runde mit einer Klarheit und Zielstrebigkeit, die Seinesgleichen sucht.

Was aber hat Streitkultur mit Entscheidungen zu tun?

Streiten tun hierzulande die wenigsten gerne. Es ist zu anstrengend, es bringt nichts, ich habe doch sowieso Recht und will eigentlich lieber meine Ruhe haben.

Streiten hat einen negativen Beigeschmack. Allein das Wort löst bei vielen von uns Unbehagen aus. „Ich hatte gestern Streit mit meiner Partnerin“ – Oh Gott, die werden sich doch wohl nicht trennen!

Dr. Friedman erzählte, dass er als Kind oftmals den ganzen Tag lang tiefe Diskussionen mit seinem Vater hatte und viel mit ihm gestritten hat. Doch jeden Abend bekam er, egal was vorgefallen war und worüber gestritten wurde, einen liebevollen Gute-Nacht-Kuss von ihm. Das können nur wenige von uns. Streiten, die Sache abschließen, um danach wieder zum Alltag überzugehen. Für viele ist nach einem Streit die ganze Beziehung infrage gestellt. Und das nur, weil falsch gestritten wird. Ähnlich ist es auch mit den Entscheidungen. Falsch getroffene Entscheidungen machen auf Dauer unglücklich und zerstören die Beziehung zu sich selbst.

Deutschland ist, was das Streiten angeht, besonders gebrandmarkt. Durch die Schrecken des Zweiten Weltkriegs ging das Streiten in Deutschland fast vollständig verloren. Niemand wollte mehr Streiten. Streiten war unhöflich und primitiv, die Höflichkeitskultur kam auf. Lieber „Ja“ sagen, bloß nicht dagegen sein, um auf keinen Fall unhöflich zu erscheinen.

 

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Warum also Streiten?

Streiten bedeutet nicht, gegen die Person zu sein, sondern unterschiedliche Meinungen zu haben. Jemand, der streitet oder streiten will, zeigt, dass er echtes Interesse an der Person, an der Situation sowie am Thema hat. Durch das Streiten entwickeln wir uns weiter, genauso, wie beim Entscheiden: Wir setzen uns intensiv mit der Sache auseinander und kommen zu einem Ergebnis.

Streiten – aber wie?

Wer gut streiten will, sollte ein paar wichtige Voraussetzungen mitbringen: Das aktive Hinhören ist dabei noch wichtiger als das einfache Zuhören. Was genau sagt mein Gegenüber? Wie sagt er es? Ich kann nur auf das eingehen, was ich aufgenommen und in meinem Kopf verarbeitet habe. Wer, während der andere noch redet, schon den eigenen Text im Kopf formuliert, wird sich an die Argumente des anderen nicht erinnern können. Doch das ist von entscheidender Wichtigkeit. Nicht nur, um auf das Gesagte eingehen zu können, sondern auch, weil viele im Verlauf des Streites nicht auf ihrem Weg bleiben und ihren Standpunkt somit nicht konsequent argumentieren. Und wer keinen klaren Standpunkt vertritt, mit dem lässt es sich auch nicht zielführend streiten.

Doch was tun, wenn jemand in einem Streit über das Thema Flüchtlinge plötzlich von der Finanzkrise spricht? Dann sollten wir denjenigen zeitnah unterbrechen. Wenn das Thema abdriftet, ist das nicht unhöflich, sondern notwendig und zielführend.

Genauso, wie es wichtig ist, präzise Fragen zu stellen, ist es relevant, Subtexte verstehen zu können. Denn vieles steckt zwischen den Zeilen. Nur wer gezielt nachfragt, kann genau verstehen, welche Position der Streitpartner hat. Leider trauen sich viele dann nicht, Dinge zu wiederholen, beziehungsweise im Detail zu erklären. Dabei bedeutet Nachfragen Interesse. Wir reagieren genervt und fühlen uns provoziert. „Ich habe es dir doch schon gesagt! Hast du Tomaten auf den Ohren oder willst du mich ärgern?“ Schnell wird es unsachlich.

Daher braucht man Mut zum Streiten. Und Selbstdisziplin. Wer aggressiv und unsachlich wird, tut weder sich selbst noch seinem Gegenüber oder der Sache einen Gefallen. Am Ende haben wir viel Energie verloren und werden frustriert auseinander gehen. Ohne Ergebnis.

Dr. Michel Friedman sagt deshalb „Ja, es braucht viel Kraft, um sich in Bewegung zu setzen. Oftmals bleiben wir aus Angst unter unseren Möglichkeiten.“

So ist es auch bei Entscheidungen: Wir brauchen Klarheit, Kraft und Mut, um bei unserem Thema zu bleiben, damit wir eine gute Entscheidung treffen können. Schöpfen wir aus unseren Möglichkeiten!

 

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

Peter Nickel
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Eine Antwort

  1. Johnd136
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    An interesting dialogue is value comment. I feel that it is best to write extra on this subject, it won’t be a taboo subject but generally persons are not sufficient to speak on such topics. To the next. Cheers bbekbdeadcca