Entscheidertipp der Woche mit Stéphane Etrillard

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Stéphane Etrillard ist internationaler Keynote Speaker und Executive Coach und zählt zu den meistgefragten und besthonorierten Top-Wirtschaftstrainern im deutschsprachigen Raum. Der mehrsprachige Vortragsredner gilt als führender europäischer Experte für „persönliche Souveränität“. Lesen Sie nachfolgend, was er über Entscheidungen sagt, welche großen Entscheidungen er selbst traf und lassen Sie sich von seinem Entscheidertipp der Woche inspirieren.

Peter Nickel: Herr Etrillard, was sagen Sie allgemein zum Thema Entscheidungen?

Stéphane Etrillard: Das Thema Entscheidungen ist eines der wichtigsten Themen im Leben überhaupt, jedoch auch eines der schwierigsten. Denn Entscheiden bedeutet meistens, sich von Möglichkeiten zu trennen. Wenn wir uns für etwas entscheiden, entscheiden wir uns gegen etwas anderes, wir trennen uns von dem anderen. Wenn ich mich dazu entscheide heute Abend nach München zu fliegen, trenne ich mich von den Optionen nach Hamburg oder nach Berlin zu fliegen. Das ist noch viel gravierender bei Lebensentscheidungen. Entscheidungen tangieren das, was kommt, und viele Menschen sind sich gar nicht im Klaren darüber, dass Ihre Entscheidung ihr zukünftiges Leben bestimmt. Viele denken, dass sie sich in einer Art Abhängigkeit befinden. Abhängig vom Arbeitgeber, vom Job oder vom Partner. Wenn sie die Entscheidung dann getroffen haben, kann ein neues Leben beginnen. Es ist erschreckend, wie unser Leben manchmal nur von einer Entscheidung abhängt.

Peter Nickel: Gibt es denn eine große Entscheidung in Ihrem Leben, die Sie uns mitteilen möchten?

Stéphane Etrillard: Es gab zwei Entscheidungen in meinem Leben, die sehr wichtig waren. Die erste wichtige Entscheidung war, die akademische Laufbahn zu verlassen. Nach meinem Philosophie- und Germanistikstudium sah es ganz danach aus, als ob ich irgendwann einen Lehrstuhl in diesem Bereich haben würde. Und meine Professoren haben mir auch prophezeit, dass ich eine brillante Karriere in diesem Bereich machen würde. Aber irgendetwas in mir sagte, dass das nicht mein Weg sei.  Ich studierte dann internationales Marketing und wurde über viele Umwege und über viele Stationen Trainer, Coach und Speaker. Erst viele Jahre später verstand ich, dass die Philosophie doch wichtig für mich ist und bin auf eine bestimmte Art und Weise Lebensphilosoph geworden oder geblieben. Um auf die Reichweite von Entscheidungen zurück zu kommen: Hätte ich diese Entscheidung damals nicht getroffen, wäre ich heute nicht da, wo ich bin, sondern irgendwo an einer Universität. Ich hätte das Leben so vieler Menschen auch nicht so  beeinflusst, wie ich es in den letzten zwanzig Jahren gemacht habe, denn ich durfte in dieser Zeit schon mit über 25.000 Menschen zusammenarbeiten.

Peter Nickel: Was war der ausschlaggebende Grund für diese Entscheidung?

Stéphane Etrillard: Eine innere Stimme flüsterte mir damals zu, dass die Universität nicht meine Welt sei. Ich habe versucht, diese Stimme zu unterdrücken, doch sie wurde immer lauter. Und irgendwann war sie so laut, dass ich sie nicht mehr ignorieren konnte (lacht).

Peter Nickel: Wie lange haben Sie sich mit dieser Stimme auseinander gesetzt?

Stéphane Etrillard: Dieses, nennen wir es einmal Zwiegespräch, dauerte mindestens sechs Monate, wenn nicht sogar ein Jahr.

Peter Nickel: Hatten Sie ein Gefühl der Befreiung gespürt, ab dem Moment, wo Sie diese Entscheidung getroffen hatten?

Stéphane Etrillard: Eine richtige Befreiung war es nicht, da ich noch nicht wusste, wohin der Weg stattdessen gehen sollte. Das war jedoch in Ordnung für mich.

Die zweite große Entscheidung traf ich, indem ich mich nach fünf Jahren in einem internationalen Großkonzern selbstständig machte. Es war eine sehr schwere Entscheidung für mich und ich habe auch hier fast ein Jahr lang mit mir gehadert. Ich wusste, dass ich es tun würde, doch ich habe es nicht sofort getan.

Peter Nickel: Wie kam es dazu, dass Sie es dann doch getan haben?

Stéphane Etrillard: Ich habe in diesen fünf Jahren nebenberuflich Seminare gegeben und Vorträge gehalten. Dieses „Hobby“ nahm immer mehr Platz in meinem Leben ein. Wochenenden, Urlaubstage, das war schon viel. Darüber hinaus merkte ich in dieser Zeit, dass sich meine Einstellung zu dem Unternehmen, in dem ich arbeitete, änderte. Dann sah ich einerseits meine eigene Begeisterung für die Thematik wachsen. Und andererseits geriet ich immer mehr mit dem Unternehmen, dem Konzern, meinem Job in Kollision. Daraufhin traf ich die Entscheidung zu kündigen und mein eigenes Unternehmen, mein Institut zu gründen.

Peter Nickel: Was meinen Sie, was der größte Hinderungsgrund ist, Entscheidungen zu treffen?

Stéphane Etrillard: Ich glaube, das ist die Angst. Und vor allem die Angst vor der Unrevidierbarkeit, denn in vielen Fällen kann der alte Zustand nicht mehr hergestellt werden. Obwohl wir wissen, dass das Neue besser ist als das Alte, haben wir Angst vor dieser Veränderung.

Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass es sinnvoll ist, Entscheidungen schnell zu treffen. Viele Menschen kommen nicht vom Fleck, weil sie keine Entscheidungen treffen. Manchmal ist es besser, irgendeine Entscheidung zu treffen, als gar keine. Ich merke das auch bei vielen meiner Coaching-Klienten, dass sie keine Entscheidungen treffen und deshalb in der unangenehmen Situation verharren.

Peter Nickel: Würden Sie uns zum Abschluss bitte noch Ihren persönlichen Entscheidertipp der Woche geben?

Stéphane Etrillard: Wenn du vor einer Entscheidung stehst, stelle dir vor, was passiert, wenn du die Entscheidung nicht triffst. Was wird kurzfristig, mittelfristig, langfristig passieren? Wenn du unzufrieden im Job bist, visualisiere, wie die Arbeit immer langweiliger wird, du immer unmotivierter, frustrierter, ja sogar krank wirst. Und das nur, weil du den Job nicht wechselst. Diese Zukunftsprojektion ist ganz wichtig, um die richtige Entscheidung treffen zu können.

Peter Nickel: Ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

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