Entscheidungen mal anders: Wahlparadies oder Entscheidungshölle? Supermärkte im Stresstest

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Ständig bringen Lebensmittelhersteller neue Produkte auf den Markt und die Regale der Supermärkte werden immer voller. Irgendetwas Neues gibt es beinahe täglich. Wenn ein neuer Süßstoff auf den Markt kommt, werden kurze Zeit später Marmeladen und andere Süßspeisen mit dem kalorienfrei süßenden Zusatz angeboten. Wenn Kohlenhydrate out sind, wird Eiweißbrot gebacken. Und wenn Paulas Flecken zugestaubt sind, wird ein neuer Spaßpudding entwickelt.

Je nach Größe des Supermarktes gibt es inzwischen auch kein Müsliregal mehr, man müsste eher von einer Müsliwelt reden. Und mit dem Joghurtarsenal mancher großer Läden, wie Kaufland oder Real, könnte man einen eigenen Supermarkt eröffnen. Einen Joghurtstore, sozusagen.

Derweil haben Forscher herausgefunden, dass eine größere Auswahl uns die Entscheidung nicht unbedingt leichter macht, sondern im Gegenteil, die Variantenvielfalt uns häufig stresst.

Zurück zum Joghurtstore oder besser gesagt, dem Joghurtuniversum mancher Supermärkte. Angenommen wir haben keine Präferenzen im Kopf, sondern wissen nur grob, was wir wollen: Einen Joghurt. Wir könnten nun einfach den aus der Werbung nehmen. Oder den Billigsten. Oder den, den Mutti immer gekauft hat. Doch so einfach ist es nicht getan, denn es gibt viel Werbung für Joghurt. Und den billigsten gibt es in vier Geschmacksrichtungen. Und welcher billigste ist nun wirklich günstiger? Der mit dem geringsten Kilopreis oder der mit dem geringsten Totalpreis? Und der, den Mutti immer gekauft hat, gibt es nicht mehr.

Man müsste also eine Entscheidungsmatrix erstellen, um zum richtigen Joghurt zu gelangen. Alle Eigenschaften jedes Joghurts notieren und gegenüber stellen. Die Eigenschaften wären beispielsweise Geschmacksrichtung, Preis, Fettgehalt, bio oder nicht bio, Packungsgröße, Kuhmilch oder Sojamilch oder Minus L und so weiter. Bei jedem Kriterium treffen wir eine Wahl und kommen so zu einem Joghurt. Ganz einfach. Praktisch gesehen. Zeitlich vielleicht nicht, denn wir würden mindestens drei Stunden unserer kostbaren Zeit investieren – für einen Joghurt. Ein Lebensmittel, zwischen 100 und 500 Gramm schwer, Kaloriendichte so gering, dass es kaum sättigt, Nährstoffgehalt befriedigend und geschmacklich selten mit einem frischen Stück Obst zu vergleichen.

Die Alternative: Das frische Stück Obst. Diesmal wissen wir gleich, was wir wollen: Einen Apfel. Zielstrebig laufen wir in die Obstabteilung – und sehen viele Quadratmeter mit unterschiedlichen Apfelsorten…

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen viel Spaß bei Ihrem nächsten Einkauf.

Marie-Louise Flörchinger
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Marie-Louise Flörchinger ist als Assistentin der Geschäftsleitung die rechte Hand des Entscheiderexperten Peter Nickel.