Peter Nickel: „Mitarbeiter aus der Grauzone holen“

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In einer Studie zur Arbeitszufriedenheit von Mitarbeitern des Beratungsunternehmens Gallup wurde festgestellt, dass ein Großteil der Deutschen nicht so richtig will. Leistung. Engagement. Eigeninitiative. Fehlanzeige. Vor allem seien es Defizite in der Personalführung, die zu der geringen emotionalen Bindung der Mitarbeiter führen. Herr Nickel, Entscheiderexperte und Inhaber der Medienagentur Peter Nickel, findet diese Zahlen alarmierend – und sieht gleichzeitig eine Chance darin. Sowohl für die Unternehmen als auch für die Mitarbeiter.

Marie-Louise Flörchinger: Herr Nickel, laut der Studie sind es aktuell nur 15 Prozent der Arbeitnehmer, die Eigeninitiative zeigen und sich für die Ziele des Unternehmens einsetzen. Und genauso viele sind es, die gegen das Unternehmen sind. Dazwischen liegen 70 Prozent, die weder richtig dafür noch richtig dagegen sind. Wie erklären Sie sich das?

Peter Nickel: Wie in der Studie auch gesagt wurde, liegt es wohl vor allem an Defiziten in der Personalführung, also persönliche Konflikte, fehlende Motivation, Lob und so weiter. Aber noch entscheidender ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass viele Mitarbeiter nicht ihre Stärken und Talente einbringen und ausspielen können. Das bedeutet, dass da Energien gebunden sind, die frei gelassen werden wollen.

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Marie-Louise Flörchinger: Was schlagen Sie vor, um Mitarbeiter aus der Grauzone heraus zu holen und auf die Seite des Unternehmens zu bringen?

Peter Nickel: Wir sollten den Mitarbeitern die Chance geben, das zu tun, wofür sie bestimmt sind. Und wenn wir dadurch unsere Mitarbeiter auf die Seite des Unternehmens bringen können, haben wir quasi schon gewonnen. Stellen Sie sich vor, aus 15 Prozent, die mit Ihnen laufen, können doppelt so viele werden. Oder sogar noch mehr. Was ein Potenzial! Doch das setzt auch voraus, dass Sie sich als Vorgesetzter so verhalten, dass die Menschen den Mut haben, ihre beruflichen Wünsche und Sehnsüchte auszusprechen. Wenn wir im Gespräch feststellen, dass da unerfüllte Berufswünsche sind, ist das eine Chance, Lösungen zu finden. Und das heißt auch, Entscheidungen zu treffen. Ich habe eine Mitarbeiterin, die unbedingt Menschen helfen wollte. Es war ihr sehnlichster Wunsch. In einer Medienagentur gibt es keinen Platz, Menschen zu helfen, dachten wir zunächst. Auf die Gefahr hin, dass sie nicht mehr zurückkehrt, gab ich ihr die Chance, einen Tag in einem mir bekannten Altenheim zu arbeiten. Es gefiel ihr nicht. Dann einen Tag im Kindergarten. Auch das gefiel ihr nicht wirklich. Aber durch diesen Prozess fanden wir die Lösung, denn sie hatte dann selbst die Idee, einen Ausbilderschein zu machen. Jetzt ist sie seit Kurzem stolze Ausbilderin, hat ihren ersten Azubi bei uns im Unternehmen und ihr Wunsch, Menschen zu helfen, hat sich damit für sie erfüllt.

Marie-Louise Flörchinger: Was sagen sie zu dem Thema im Zusammenhang mit Entscheidungen?

Peter Nickel: Das ist so, wie wenn man mit einer Galeere über das Meer rudert. Wenn Sie sich dafür entscheiden, die Peitsche auszupacken, werden Sie nur langsam voran kommen und wenn Sie Pech haben, wird es eine Meuterei geben. Wenn Sie sich jedoch dazu entscheiden, durch Worte die Sehnsucht nach der Weite des Meeres und der Aussicht auf Land bei den Ruderern zu wecken, werden ihre Leute motiviert mit Ihnen das Ziel ansteuern.

Marie-Louise Flörchinger: Das heißt, man muss seinen Mitarbeitern den Weg schmackhaft machen? Wäre das Ihr Entscheidertipp?

Peter Nickel: Ja. Nicht nur der Weg, mehr noch das Ziel. Klare Zielsetzungen sind ganz entscheidend. Und wenn diese dann auch noch mit den persönlichen Zielen des Mitarbeiters übereinstimmen, ist das optimal, um einen positiven Prozess in Gang zu setzen und die richtige Entscheidung zu treffen.

Marie-Louise Flörchinger: Vielen Dank für das Gespräch.

Marie-Louise Flörchinger
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Marie-Louise Flörchinger ist als Assistentin der Geschäftsleitung die rechte Hand des Entscheiderexperten Peter Nickel.

2 Antworten

  1. Rica Faßmann
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    Hallo Herr Nickel,

    stimmt schon, dass die Motivation der Mitarbeiter nicht eben rosig ist. Und es stimmt auch, dass viele Entscheidungsträger nicht damit umgehen können und die Peitsche rausholen.
    Allerdings erfahre ich immer wieder, dass meine Klienten selbst gar nicht wirklich wissen, welche Fähigkeiten und Talente sie wirklich haben. Und die, die sie haben, werden nicht als solche erkannt, weil sie sie völlig unterschätzen. Ist ja auch kein Wunder, den meisten Menschen wird ja schon in Kindertagen erzählt, worin sie besser werden müssen oder sie wären für bestimmte Dinge zu klein.
    Ich kann mich erinnern, dass ich durchaus einige Einstellungstest gemacht habe. Aber mir wurde damals nicht erklärt, dass meine Fähigkeiten woanders liegen, als für die Stelle, die ich wollte, gebraucht wurden.
    Der nächste Umstand, den ich immer wieder beobachte, ist, dass Teamarbeit nicht nur vom Chef abhängt, sondern auch sehr viel von den Mitarbeitern selbst. Nämlich von der Einstellung des Mitarbeiters zu anderen, zum Leben und vor allem zu sich selbst. Und das hängt sehr viel vom Privatleben ab. Ein Beispiel: Wenn ich einen stressigen Tag habe, und mein Kind lässt ein Glas fallen, geht die Welt unter. Wenn ich cool und ausgeglichen bin, räume ich es einfach weg. Das gleiche geht auch andersherum. Wenn ich im Privatleben nicht glücklich bin, nehme ich diese Unzufriedenheit auch mit in den Joballtag. Kurz, wenn ich mich nicht leiden kann, kann ich meinen Kollegen auch nicht leiden. Und wenn ich nicht weiß, was ich wirklich kann, habe ich nichts, worauf ich mich bei mir verlassen kann und mag mich selbst nicht.

    Ich bin überzeugt, dass ein gutes Arbeitsklima von vielen Faktoren abhängt. Jede Kette ist doch nur so stark, wie ihr schwächstes Teil, oder?

    Liebe Grüße, Rica Faßmann

    • Peter Nickel
      Peter Nickel
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      Liebe Frau Faßmann,

      vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar und schön, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben.
      Auf Ihrer Seite habe ich gesehen, dass Sie mit Hypnose arbeiten – ob man das auch bei der Entscheidungsfindung einsetzen kann? Ihr Zitat des Tages passt übrigens gut zu unserer Thematik, die Zeit spielt auch bei der Entscheidungsfindung eine große Rolle.

      Das, was Sie beschreiben, habe ich selbst auch schon oft beobachtet und es stimmt, dass viele Menschen ihre Talente nicht kennen und gerade auch das Elternhaus dafür gesorgt hat, dass wir oft nicht da gelandet sind, wo wir aufblühen. Doch zum Glück leben wir im Hier und Jetzt, wo wir selbst Entscheidungen treffen und dadurch sehr wohl sehr großen Einfluss auf unser Glück haben.
      Ich bin auch ganz Ihrer Meinung, wenn Sie sagen, dass gute Teamarbeit nur funktioniert, wenn die einzelnen Mitglieder des Teams stark sind. Eine positive Grundeinstellung ist Voraussetzung für Erfolg, egal, ob privat oder beruflich.

      Und genau da setzen wir an. Erstens geht es darum, heraus zu finden, wo die Stärken jedes einzelnen liegen. Das geht am Besten in offenen Gesprächen. Denn oft braucht es nur den Blick, beziehungsweise das Ohr von außen, um zu erkennen, was die wahren Stärken und Talente sind. Viele sagen Dinge wie „Ich will mit Menschen zusammen arbeiten“ oder „Ich bin kreativ“ oder „Ich mag Computer“ oder „Ich kann mit meinen Geschichten eine ganze Kneipe unterhalten“. Was wir daraus machen können und welche Entscheidungen zu treffen sind, auch unter Berücksichtigung der aktuellen beruflichen Situation, gilt es in diesem Prozess heraus zu finden. Wir geben Werkzeuge an die Hand, um Entscheidungsprozesse zu vereinfachen.

      Frustration, die vom Job nach Hause oder von zu Hause in die Firma getragen wird, ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, der jedoch mit einer guten Entscheidung gelöst werden kann. Mit den richtigen Fragen, die wir uns selbst stellen, können wir hier ansetzen. Wie kann ich meinen privaten Frust abbauen, bevor ich in die Firma gehe? Wie kann ich den schlechten Arbeitstag bei der Arbeit lassen, um meinen Frust nicht auf meine Kinder zu übertragen? Diese und andere Fragen helfen im Entscheidungsprozess. Das haben wir auch im Gespräch mit Dr. Michel Friedman erfahren, dass wir uns gerne „woanders tummeln“, weil das einfacher ist. Dabei ist es wichtig, immer bei der Sache zu bleiben, nichts zu vermischen, die Basis beizubehalten.

      Ich würde mich freuen, Sie weiterhin als aktive Leserin begrüßen zu dürfen und wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihren Entscheidungen!

      Mit den besten Wünschen und Grüßen
      Peter Nickel