Wenn ich eine Heizung wär’, fiel’ mir das Entscheiden nicht so schwer!

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Entscheidungen gibt es nicht nur bei uns Menschen. Auch Tiere müssen entscheiden. Und Maschinen. Und ja, auch Ihre Heizung hat Entscheidungskraft!

Jetzt, wo es draußen – und somit auch drinnen – kalt ist, schalte ich des Öfteren meine Heizung an. Um in meiner Dachgeschosswohnung keinen Kältetod zu erleiden. Oder zumindest um die Jacke ausziehen zu können, wenn ich abends von der Arbeit komme. Ich drehe also den Thermostat auf Stufe 3 oder 4 (niemals 5, ich bin ja schließlich umweltbewusst) und dann geht es los. 18 Grad. Meine Heizung stellt fest:  Zu kalt! Und entscheidet: Heizen! Der Brenner im Keller geht an, das heiße Wasser läuft durch die Rohre, die Luft über dem Heizkörper beginnt zu wabern. 10 Minuten später misst meine Heizung eine angenehme Temperatur von 22 Grad und entscheidet sich fürs Abschalten. So geht das ständig weiter. Zu kalt: Heizen. Warm: Abschalten. Während ich mich eine halbe Stunde lang nicht entscheiden kann, was ich heute zum Abendessen kochen soll, trifft meine Heizung alle paar Minuten eine Entscheidung. Und zwar die richtige. Warum Sie das so treffsicher kann? Weil sie einen Regler hat. Dieser gibt ihr den Ist-Wert vor, vergleicht ihn mit dem Soll-Wert und dann wird entschieden und gehandelt. Wenn der Regler defekt ist, funktioniert das Ganze dementsprechend nicht mehr richtig. Dann verwandelt Ihre Heizung Ihre Wohnung entweder in eine finnische Sauna oder in eine sibirische Holzhütte.

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Ähnlich ist das bei uns Menschen. Auch wir besitzen einen Regler. Angenommen Sie wiegen 98 Kilo (was grundsätzlich ok wäre, wenn Sie die passende Körperlänge dazu hätten, haben Sie aber nicht). Das Gewicht, bei dem Sie beschwerdefrei Treppen steigen können und sich der Bauch in und nicht außerhalb der Hose befindet – nennen wir es Ihr Soll-Gewicht – liegt bei 85 Kilo. Zunächst wird Ihnen Ihr Kopf (oder Ihre Waage oder Ihre Frau oder Ihr Friseur) sagen, dass Sie zu dick sind. Wenn Ihr Regler funktioniert, werden Sie sich von nun an beim Mittagessen für den Salat mit Putenstreifen und nach dem Feierabend für eine Stunde Fitnessstudio entscheiden. Wenn Ihr Regler dagegen kaputt ist, werden Sie sich beim Mittagessen für den Braten in Sahnesoße und nach Feierabend für Bier und Chips vor dem Fernseher entscheiden.

Nun werden Sie feststellen, dass Ihr Regler je nach Anwendungsbereich ziemlich oft defekt ist. Oder zumindest gestört (Ihr Regler, nicht Sie) und daher nicht richtig funktioniert. Warum aber ist das so? Was lässt uns so oft treffsicher falsch entscheiden? Faulheit? Fehlender Wille? Langeweile? Allgemeine Unzufriedenheit? Schlechtes Wetter? Blöder Job? Nervige Kollegen? Bei den meisten von uns wird es eine Mischung aus vielem sein.

Trotzdem mag ich keine Heizung sein. Weil sie manchmal so kalt ist. Und keinen freien Willen hat. Und sich immer nur zwischen den zwei gleichen Optionen entscheiden kann.

Marie-Louise Flörchinger
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Marie-Louise Flörchinger ist als Assistentin der Geschäftsleitung die rechte Hand des Entscheiderexperten Peter Nickel.