Entscheidertipp der Woche mit Dr. Thomas Stöhr

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Dr. Thomas Stöhr ist der amtierende Bürgermeister der Stadt Bad Vilbel, die für ihre Quellen bekannt ist und gemessen an der Einwohnerzahl, die größte Stadt im hessischen Wetterauskreis ist. Dr. Stöhr schloss seine akademische Laufbahn mit einer Promotion im Fachbereich der Rechtswissenschaft ab und sammelte berufliche Erfahrung als Richter beim Amtsgericht Hanau und bei der Commerzbankzentrale in Frankfurt. Heute bringt er sein Wissen und seine Erfahrung als Bürgermeister in Bad Vilbel ein, wo er erfolgreich Projekte, wie das Entwickeln einer neuen Stadtmitte, verwirklicht.

Peter Nickel: Was bedeutet für Sie persönlich das Wort „Entscheidung“ und was bedeutet es hinsichtlich Politik?

Dr. Thomas Stöhr: Entscheidungen haben für mich eine hohe Bedeutung. Denn gerade als Bürgermeister ist man für die Bürger und Bürgerinnen, sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ansprechpartner im Hinblick auf Weichenstellungen. Da gibt es die unterschiedlichsten Themen, von kleinen Entscheidungen hin zu großen Entscheidungen, bei denen es darum geht, wie die Stadt sich entwickelt.

Es macht auch viel Spaß in seiner Geburts- und Heimatstadt solche Entscheidungen treffen zu dürfen.

Aber es ist auch wichtig hin und wieder auch solche Entscheidungen selbstkritisch nach einer gewissen Zeit zu überprüfen, so dass man sich seinen Vorstellungen nach weiter auf einen guten Weg befindet.

Peter Nickel: Es sind sehr spannende Entscheidungen. Aber es ist bestimmt nicht leicht mit manchen Entscheidungen umzugehen, die man gemeinsam treffen muss, oder die von anderen getroffen werden, aber mittragen muss.

Dr. Thomas Stöhr: In der Politik ist es so, dass man in vielen Punkten Gremien überzeugen muss.

Aber meiner Erfahrung nach kann man Gremien erst dann überzeugen, wenn man eine eigene Entscheidung getroffen hat und wenn man auch hinter dieser Entscheidung steht und diese auch verkaufen kann. Es soll nicht heißen, dass man nicht an der einen oder anderen Stelle im Rahmen der Diskussion Optimierungen findet und sich ein Stück weit wieder zurücknimmt.

Aber eine gewisse Vorstellung gehört einfach dazu, da man nur dann für gewisse Projekte begeistern kann.

 

Stoehr-und-Nickel

 

Peter Nickel: Aber man kann nicht von allen Entscheidungen begeistert sein.

Begeisterung ist allerdings ein wichtiger Punkt, um Sachen positiv zu gestalten und umzusetzen.

Dr. Thomas Stöhr: Die Herausforderung bei der Kommunalpolitik ist, dass man von den Bürgern auf Entscheidungen angesprochen wird. Es ist auch ein Stück weit etwas Schönes. Und da kann es nicht immer 100% Übereinstimmung geben. Und deswegen ist man im Alltag gefordert gewisse Entscheidungen zu begründen. Das macht den hohen Reiz der Kommunalpolitik aus, aber es ist auch etwas, was einen fordert.

Peter Nickel: Gibt es eine Entscheidung, die Ihr Leben geprägt hat?

Dr. Thomas Stöhr: Im Leben gibt es viele solcher Entscheidungen. Da ich als Bürgermeister hier bin, möchte ich eine Entscheidung herausgreifen, die zu großen Veränderungen unserer Stadt geführt hat.

Vor einigen Jahren trafen wir die Entscheidung eine neue Stadtmitte zu entwickeln.

Am Herzen der Stadt eine neue Entwicklung einzuleiten, gehört zu einem der mutigsten, aber auch interessantesten Aufgaben der Kommunalpolitik. Es gab dazu große Diskussionen mit Bürgerentscheid.

Ich habe damals mit Freunden zusammen gesagt: „Hier müssen wir einen wichtigen Entwicklungsschritt leisten.“

Wenn man zurückblickt, kann man sagen, dass die Menschen überwiegend mit dieser neuen Stadtmitte zufrieden sind und darüber freue ich mich sehr.

Peter Nickel: Für mich ist Bad Vilbel Dank dieser Entscheidung riesig gewachsen.

Als Ur-Vilbeler weiß man, wie es früher war.

Dr. Thomas Stöhr: Das große Streitthema war, kann man eine Stadtbibliothek auf einer Brücke bauen, kann man dort ein Cafe hinstellen, darf man an der Nidda sitzen? Ist das etwas, was für eine Stadt mit 33 000 Einwohnern prägt oder sollte man besser die Hände davon lassen?

Es ist aufgegangen. Gleichwohl kann ich verstehen, dass bei so etwas eine Diskussion entbrennt.

Hätten wir allerdings nicht diese Entscheidung getroffen oder lang herausgezögert, dann hätten wir Chancen verpasst.

Peter Nickel: Ganz bestimmt. Allein die vielen zufriedenen Menschen, die alle draußen sitzen, ist der Lohn für so eine Entscheidung. Auch wirtschaftlich profitieren die gefüllten Restaurants.

Dr. Thomas Stöhr: Das nächste Großprojekt steht an. Wir wollen hier ein Erlebnisbad bauen, – mit Schwimmen, auch Vereinsschwimmen, mit Familienbad, mit Rutschenparadies, mit Sauna- und Wellnessbereich, dass es so in der Rhein-Main-Region noch nicht gegeben hat.

Auch das ist eine Entscheidung, die vor kurzer Zeit gefallen ist und ich hoffe sehr, dass wir dieses Jahr zum Spatenstich kommen.

Peter Nickel: Haben Sie noch einen Tipp für unsere Leser?

Dr. Thomas Stöhr: Ich kann nur sagen, was ich bei größeren Entscheidungen mache.

Ich mache eine Matrix von der Art und Weise, dass man verschiedene Szenarien hat und diese Szenarien beinhalten Vor- und Nachteile. Aber ich entscheide nicht sofort. Ich schlafe noch einmal drüber und schaue mir das am nächsten Morgen nochmal an und auf dieser Basis treffe ich meistens meine Entscheidungen.

Peter Nickel: Vielen Dank für das Gespräch.

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

Peter Nickel
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