Entscheidertipp der Woche mit Matthias Kolbusa

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Nachdem sich Matthias Kolbusa mit mehreren Unternehmen Ende der 90er Jahre selbstständig gemacht hatte, gründete er seine eigene Beratungsfirma, damit er sein Wissen und seine Erfahrung in Seminaren und verschiedenen Beratungstätigkeiten weitergeben kann. Heute berät er das Top-Management zahlreicher DAX-30-Unternehmen und international tätige Mittelständler. Weiterhin ist Matthias Kolbusa Autor von Büchern wie „Gegen den Schwarm“ und „Umsetzungsmanagement“.

Peter Nickel: Was sagen Sie grundsätzlich zu dem Thema Entscheidungen?

Matthias Kolbusa: Was assoziiere ich grundsätzlich mit dem Thema Entscheidungen?

Das ist erstmal Mut sich für Weniges zu entscheiden. Wahre Entscheidungskompetenz macht sich daran fest, zu vielen Dingen erstmal nein zu sagen, sowohl im Privaten wie im Managerleben. Im unternehmerischen Alltag erlebt man eher Feigheit, weil Menschen eher das Problem haben keine Entscheidungen zu treffen. Und keine Entscheidungen zu treffen bedeutet letzten Endes auf der Stelle zu treten oder so lange zu warten bis jemand kommt, der das Problem löst, sei es ein Wettbewerber oder fremdbestimmt. Daher ist das Thema Entscheidung von zentraler Bedeutung, bezogen auf das, was ich ganz bewusst mache. Es muss eher darum gehen eine nicht-ToDo Liste zu machen. Den Mut zu haben sich auf wenige Dinge zu konzentrieren. Es führt zu extrem viel Frustration zu viele Ziele gleichzeitig erreichen zu wollen – privat wie beruflich. Einer der wichtigsten Entscheidungen für mich war: „Mache wenig, mache eines nach dem anderen.“ Man darf nicht dem gesunden Ehrgeiz, möglichst viel schaffen zu wollen, nachgeben, sondern man muss sich im Grunde beherrschen können. Nur wenn man wenig vorantreibt, kommt man wirklich vorwärts.

Peter Nickel: Der einfache Satz „weniger ist besser als mehr“ hat bei vielen noch nicht so richtig gefruchtet. Es ist in der Tat so, dass wenn man eine Sache richtig macht, viel gewonnen hat.

Matthias Kolbusa: Im Grunde dominiert da sehr stark Angst. Wenn man zu vielen Dingen nein sagt, geht man gefühlt ein Risiko ein, etwas zu verpassen, etwas Wichtiges zu lassen. Was wir aber nicht spüren ist, dass wir auf lange Sicht viel mehr verpassen, weil wir wenigen Dinge richtig vorwärts bringen. Aber das liegt weiter weg. Die Angst ist eben akut, wenn man von 10 Dingen 8 streichen muss. Das fühlt sich blöd an und dafür braucht man viel Mut. Man muss sich dieser Angst stellen und sich fragen: „Warum brauche ich das?“ und „Was ist wirklich wichtig?“ Es ist auch schwer faul zu sein. Jeder sehnt sich danach mehr Zeit zu haben, für sich oder andere Dinge, aber das ist eine Entscheidung, die ich treffen muss.

Kolbusa

Peter Nickel: Das kennen wir alle nicht nur im Business, sondern auch im privaten Bereich, wo man zwei Verabredungen gleichzeitig hat und sich fragt „Wie mache ich das jetzt?“

Matthias Kolbusa: Ich muss den Mut haben konsequent die Entscheidung zu treffen und Konsequenz ist extrem wichtig. Denn Entscheidungen zu treffen ist einfach, aber sie durchzusetzen ist schwer. Wenn ich mich entscheide, am Wochenende nicht zu arbeiten, dann muss ich diese Entscheidung auch durchhalten. Wenn ich mich nicht daran halte, dann arbeite ich wieder ein bisschen, aber ursprünglich wollte ich etwas mit Familie und Freunden machen, doch dann habe ich im Genick, dass ich EIGENTLICH auch etwas arbeiten wollte, aber das mache ich auch nicht richtig, weil ich EIGENTLICH etwas mit Familie und Freunde machen wollte und dann fühle ich mich auch noch blöd dabei, weil ich beides nicht richtig mache.

Peter Nickel: Vielleicht können Sie mir noch von einer Situation erzählen, in der es genau so war, dass Sie sich gegen etwas und für ein klares Nein entschieden haben und am Ende auch noch dafür belohnt worden sind.

Matthias Kolbusa: Dafür habe ich sofort ein aktuelles Beispiel. Ich hatte mir vorgenommen keine Projekte mehr bei Kunden zu machen, bei denen ich ein komisches Bauchgefühl habe, weil mir der Kunde unsympathisch ist. Da dann zu sagen, „das mache ich nicht“, erfordert Mut, obwohl da auch andere Gefühle wie Ehrgeiz eine Rolle spielen. Ich habe konsequent zu dieser Entscheidung gestanden und habe auch den Umsatz ziehen lassen. Und dann kamen auf einmal viel bessere Sachen um die Ecke, für die wir sonst keine Zeit gehabt hätten. Konsequent sein ist das was Entscheidungen auszeichnet.

Peter Nickel: Genau, alle folgenden Alternativen ausschließen und sagen „Nein, das habe ich jetzt entschieden!“

Matthias Kolbusa: Daher auch keine Flexibilität. Flexibilität ist kein Wert. Flexibilität ist in der Regel Opportunismus und Opportunismus ist tödlich.

Peter Nickel: Welchen Tipp haben Sie für unsere Leser?

Matthias Kolbusa: Der Tipp ist mutig sein und zu wissen, die Welt geht nicht unter, wenn ich Dinge nicht tue. Nimm dir Weniges vor und bring dies einen Kilometer weit, anstatt 100 Dinge einen Zentimeter weit zu bringen.

Peter Nickel: Vielen Dank für das Gespräch.

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

Peter Nickel
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