Entscheidertipp der Woche mit Susanne Preiss

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Peter Nickel: Was sagen Sie zu dem Thema Entscheidungen?

Susanne Preiss: Aus meiner Sicht sind Entscheidungen davon abhängig, wie sehr eine Person Kontrolle über eine Situation hat. Entscheidend ist also, wie gelassen und wie viel Distanz die Person zu einer Situation hat. Aus meinem Fachgebiet weiß ich, dass Menschen, die extremen Stresssituationen ausgesetzt sind und die permanent unter Dauerfeuer stehen mit der Zeit entscheidungsunfähig werden können. Das hängt im Prinzip mit dem uralten „Kampf-oder-Flucht-Mechanismus“ zusammen. Dieses uralte in uns angelegte Muster ist heutzutage nicht länger zielführend, da wir am Platz sitzen bleiben und nicht fliehen. Das führt in unserem Gehirn zu einer Art Tunnelblick. Das Resultat ist, dass man auf einmal alte Erinnerungen verliert oder auch entscheidungsunfähig wird. Man sollte in der Arbeitswelt also darauf achten, gelassen zu bleiben.

Peter Nickel: Genau, gerade Gelassenheit ist für eine fertige Entscheidung wichtig und der Tunnelblick ist das genaue Gegenteil…

Susanne Preiss: Das Problem ist die Art des Arbeitens. Zum Beispiel, dass zur gleichen Zeit verschiedene Arbeiten bewältigt werden, stellt hohe Anforderungen an  den präfrontalen Cortex und an den Hippocampus. Im präfrontalen Cortex ist das Planende Denken verankert. Dazu gehört das Verstehen, das Analysieren, das Bewerten und das Organisieren. Der Hippocampus  ist für das Lernen, das Erinnern und das Verknüpfen zuständig.

Wenn es nun zu einer Überbelastung dieser Hirnareale kommt, dann gibt es kein Wachstum neuer Zellen. Das kann zu einem Gefühl der Dünnhäutigkeit, der Unausgeglichenheit und mangelnde Distanz zu den Dingen führen und auf der anderen Seite kommt ein extrem hohes Maß an Konzentrationsverlust und Erinnerungslücken hinzu. Die Konsequenz dessen ist, dass es zum Verlust von Entscheidungsfähigkeit oder Fehlentscheidungen kommt.

Peter Nickel: Sehr interessant. Gibt es eine Entscheidung in Ihrem Leben, die Sie geprägt hat?

Susanne Preiss: Die beste Entscheidung in meinem Leben war nach Südamerika zu ziehen. Ich habe sehr viele Jahre in Südamerika  und in Südostasien verbracht. Insgesamt waren es acht Jahre. Ich habe damals noch in meinem alten Job gearbeitet. Da ich Betriebswirtschaft studiert habe, machte ich Werbung. In Uruguay habe ich meine eigene Werbeagentur gegründet. Was ich dort im Umgang mit Menschen gelernt habe, ist, wie man so zusammenarbeiten kann, dass die Arbeit eher von Freude und gegenseitigem Respekt und nicht so sehr von Druck- und Machtgefüge bestimmt ist.

Susanne-Preiss

Die Entscheidung dort hinzugehen war verbunden mit dem größten Lernen für mein Leben. Das Thema, dass der Andere auch bei harten geschäftlichen Auseinandersetzungen niemals sein Gesicht verlieren sollte. Damit verbunden war auch der Berufswechsel, als ich zurückkam. Ich entschied mich raus aus der Werbung zu gehen. Schließlich hatte ich keine Methode mit dem hohen Stresslevel umzugehen.

Dann entschied ich mich, das zu machen, was ich in den letzten Jahren selbst in Südamerika und durch eigenes Coachings gelernt habe. Jetzt mache ich Entschleunigungssemiare für Führungskräfte. Das hat ganz viele Aspekte, das hat zum einen die körperliche Ebene, dann auch den Coaching Aspekt, Arbeitsorganisation ist mit drin und die große Frage nach dem Sinn – was erfüllt mich wirklich?

Peter Nickel: Im Prinzip haben Sie viel von den Südamerikanern gelernt. Heißt es, dass wir alle von anderen Kulturen lernen können?

Susanne Preiss: Ja, man lernt auch Geduld. Ich bin von Natur aus ein ungeduldiger Mensch. Das ist eine Anlage, die werde ich sicherlich nicht mehr los, aber man muss dort einfach Geduld lernen, da die Ungeduld dort zu nichts führt.


Peter Nickel: Gibt es einen Entscheidertipp für unsere Leser?

Susanne Preiss: Für Menschen, die viel Entscheidungen treffen ist das tägliche Ritual des Innehaltens und sich ein festen Raum im Tagesablauf einplanen, in dem man durch eine gelernte Methode zur Ruhe kommt, um dem kreativen Prozess Raum zu geben, sehr wichtig, so dass wir jeden Tag einen Reflektionsraum aufspannen und das auch im Kalender eintragen. Denn nur mit dieser Ruhe können wir kreativ und lösungsorientiert sein, damit wir kluge Entscheidungen treffen können.

Peter Nickel: Vielen Dank für das nette Gespräch.

 

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

Peter Nickel
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