Presse polarisiert

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Die Medien sollen uns nicht nur ablenken. Nein, wir wollen in ihren Bann gezogen werden. Während eines spannenden Films wollen wir ganz abtauchen, um so für 90 Minuten dem Alltag zu entfliehen. Dies sind emotionale Momente, die wir dankbar von den Medien annehmen. Doch wie verhält es sich, wenn die Medien uns nicht von unserer alltäglichen Realität ablenken, sondern über sie berichtet? Wie verhält es sich da mit unseren Gefühlen?

Wenn wir angesichts eines fiktiven Ereignisses in emotionale Wallung geraten, dann empfinden wir dies als Resultat eines guten Drehbuches. „Der Film ist wirklich gut gemacht, ich habe so eine Wut auf den Fiesling bekommen…“ Bei Sportereignissen ist die Sachlage häufig schon ein wenig anders.

Schließlich wissen wir, dass das Spiel keinem Drehbuch gehorcht, sondern ein reelles Ereignis ist, welches allerdings nur insofern relevant für unsere Alltagsrealität ist, insofern wir es zu lassen. Wir können uns über eine Niederlage aufregen, wir können es aber auch lassen. Natürlich gibt es Menschen für die Fußball zur Religion geworden ist und sie steigern sich bis zu dem Grad hinein, dass sie Fans des gegnerischen Teams zu Erzfeinden erklären und sich mit ihnen bis auf‘s Blut duellieren. Doch wenigstens können sich diese Hardcore-Fans, während der spielfreien Phase abkühlen.

Bei Leuten, die die Berichterstattung erst mit Interesse, dann mit wachsendem Frust und schließlich mit Wut beobachten, sieht der Sachverhalt anders aus. Schließlich schläft die Realität nicht, also kann sich die Wut auch nicht so einfach schlafen legen. Fernsehzuschauer sehen ein gewisses Bild von der Realität in der Berichterstattung und finden sich dort nicht wieder. Sie meinen beispielsweise zu beobachten, dass es zu Kriminalisierungen im Zusammenhang von Ghettoisierung kommt, während die Medien ein rosigeres Bild von Erfolgsgeschichten portraitieren.

Und schon keimt der Verdacht auf, dass die Medien unehrlich berichten. In Wirklichkeit werden die Medien auch nur von Menschen geführt und das Weltbild der jeweiligen Menschen fließt in die Berichterstattung ein. Schon allein durch die Auswahl der Fakten und der Bilder wird die Welt durch den Filter der verantwortlichen Redakteure verengt, schließlich kann man niemals alle Fakten und Bilder präsentieren.

Doch für einige Zuschauer ist dies nicht das Resultat dessen, was nun mal in der Natur des Journalismus liegt, sondern Resultat einer gezielten Verschwörung. Und schon ist ein Feindbild geboren. Dafür eignen sich die Medien recht gut, denn wir können nicht mit verfolgen wie Entscheidungen getroffen werden, doch wir werden jeden Tag mit dem Resultat ihrer Entscheidungen konfrontiert, ähnlich wie bei der Politik.

Wenn der Zuschauer erst mal für sich beschlossen hat, dass er täglich mit Propagandamaterial einer Verschwörung bombardiert wird, dann verheißt es meist nichts Gutes – das Gefühl der Machtlosigkeit wächst und somit die Panik. Da der Mensch ein Herdentier ist und ungern alleine verzweifelt, wird er sich eine Gruppe von Mitleidenden suchen und wo sucht man besser als im Internet?

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Im Internet finden sich Foren, Seiten und Verweise auf Zeitschriften und Bücher, die endlich mal die Wahrheit aussprechen. Der Verzweifelte, der nun endlich seinen heiligen Gral der Wahrheit gefunden hat, tauscht seine Skepsis gegenüber den sonstigen Medien mit absoluter Gläubigkeit gegenüber den alternativen Medien ein.

Nun lebt er in einer schwarz-weiß Kontrastierung zwischen alternativen und traditionellen Medien. Er baut sich eine Welt von Gut und Böse auf. Die Tatsache, dass der Zuschauer die Seiten googeln kann, die seine Weltsicht bestätigen, führt zu einer kognitiven Verzerrung genannt Bestätigungsfehler.

Dies funktioniert so, dass wenn jemand beschlossen hat, dass es beispielsweise zu einer Epidemie an Haiattacken gekommen ist und dann nur noch nach Haiangriffen sucht, dann selbst seinen ursprünglichen Eindruck bestätigt, dass Hainagriffe ein großes Problem geworden sind.

Schließlich sieht er sich aufgrund seiner eigenen Suche ständig mit Haiangriffen konfrontiert. Nun googelt ja nicht jeder den ganzen lieben Tag lang nach Haiangriffen und trifft somit der Haiangriff-Googler auf den Rest der Bevölkerung, schießt bei ihm natürlich der Frust in die Höhe. „Warum erkennen sie nicht das Haiproblem?!“ – „Ganz klar, ihnen ist von der Mainstream-Presse eingeredet worden, es gebe dieses Problem nicht – sie sind hirnmgewaschen!“

Nun findet eine immer stärkere Isolierung statt, die ihren Gipfel in wildesten Verschwörungstheorien finden kann. So hält beispielsweise Verschwörungstheoretiker David Icke Vorträge darüber, dass die Machteliten unserer Gesellschaft in Wahrheit formwandelnde Reptilien sind, die uns versklaven möchten. Hat man die Gegner erst mal entmenschlicht, kann man mit ihnen auch nicht mehr in Verhandlung treten. Daraus wächst eine Kompromisslosigkeit, die manchmal auch gefährlich werden kann.

Daher müssen wir uns die Frage stellen, ob wir uns wirklich jeden Tag an den Medien reiben wollen, nur um uns erneut neue Munition aus den alternativen Medien zu holen. Was verändern wir dadurch für unser unmittelbares Leben? Natürlich sollten wir immer kritisch bleiben und wir dürfen uns auch über Berichte aufregen, doch wir sollten ab und an einen Schritt zurücktreten und uns darauf besinnen, was für unser tatsächliches Leben wichtig ist, bevor wir uns in einen Abwärtsstrudel des Frustes begeben.

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

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