Wauzi und die Frauen

with Keine Kommentare

Wie entscheiden wir bei sozialen Konfrontationen? Zwei verschiedene Typen – Wauzi und sein Herrchen Ulf sind exemplarisch für zwei verschiedene Taktiken.

Wauzi zerrt wie üblich voller Tatendrang an der Leine, immer darauf gespannt was hinter der nächsten Kurve lauern dürfte, während Herr Ulf am anderen Ende der Leine, die gegenwärtige Situation ausblendet, schließlich befindet er sich mental gerade nicht im Hier und Jetzt, sondern ist im Geiste in die Vergangenheit gereist. Er grübelt intensiv über ein Streitgespräch im Büro und nun fallen ihm all die tollen Gegenargumente ein, die er hätte verwenden sollen. Nun nachdem er für ihn einen angemessenen Haufen an Argumente gesammelt hat, reist er in die Zukunft und streift dabei noch nicht einmal die Gegenwart, schließlich muss er nun die Argumente am kommenden Montag anwenden und es funktioniert!  Der Kollege ist ganz erschlagen von seinen genialen Argumenten – all das spielt sich in Herrn Ulfs Kopf ab, während er gemütlich durch Wald und Flur wandert.

Wauzi hingegen denkt nicht an morgen oder gestern, er hat ganz anderes im Sinn. Sein Sinn ist die Nase, die ihm verrät, was er in seiner Gegend erwarten kann. In diesem Fall gefällt ihm, was er zu erwarten hat, denn in seiner Nase liegt der Duft einer Hündin. Diese Erkenntnis motiviert ihn umso mehr an der Leine zu ziehen, somit steht seine körperliche Aktivität im unmittelbaren Zusammenhang mit seiner Erwartungshaltung. Das Ziehen verspricht direkte Belohnung in Form einer Begegnung mit dem anderen Geschlecht. Herr Ulf hingegen funktioniert im Autopilotmodus.

Seine Bewegung und Laufrichtung basieren auf langer Erfahrung und sind vollends automatisiert und stehen in keinem Zusammenhang mit seinem gegenwärtigen geistigem Leben. Doch als beide um die entscheidende Ecke geschlichen sind, sehen sich beide mit der Realität konfrontiert.

bank-566728_1280

Es steht eine Dame mit ihrer Hündin vor ihnen. Wauzi hatte diese Begegnung aufgrund seines scharfen Geruchssinnes antizipiert und einen regelrechten Tunnelblick für diesen Moment entwickelt und zeigt sich wenig überrascht. Schließlich nimmt er sie jetzt bloß mit einem Sinn mehr als zuvor wahr. Jetzt geht es lediglich darum die Distanz zwischen ihm und ihr kleiner werden zu lassen. Herr Ulf hingegen ist völlig aus seiner geistigen Welt gerissen worden. In einem Moment triumphierte er noch über seinen Kollegen und war der Held im Büro und im nächsten Moment sieht er sich einer schönen Frau gegenüberstehend. Sein verbaler Speicher ist momentan voll mit Argumenten, bezüglich Büroalltag – wenn er jetzt doch nur seinem Kollegen begegnen könnte. Im Gegensatz zu Wauzi hat er keinen Plan und muss sich emotional noch völlig umstellen, das überfordert ihn und er bedient sich eines Standardbegegnungsprogrammes  in Form von: „Grüß Gott.“

Sie nickt und schon ist die Begegnung mit all ihrem Zauber wieder vorbei.

Wauzi hingegen entscheidet sich seinen Plan der direkten Annäherung zu vollenden und wird mit einem wirschen Schnappen der Hündin begrüßt, kurz springt er zurück, um sich unentmutigt gleich wieder zu stellen, nur um von Herrn Ulf davon gezerrt zu werden.

Herr Ulf könnte sich wie Wauzi auch manchmal mental stärker auf gegenwärtige Situationen einstellen, doch der Enthusiasmus, den Wauzi in den Alltag bringt, ist bei menschlichen Interaktionen doch häufig eher unangebracht.

Zeigt uns eine Frau nach einem Annäherungsversuch mal die Zähne, sollten wir besser nicht kurz ausharren,  um gleich wieder vorzupreschen. Hier sollten wir vielleicht ein wenig unsere Spontanität zügeln und uns darauf besinnen, was unsere sozialen Normen für so eine Begegnung vorsehen.

Doch im Rahmen dieser Normen sollten wir wirken als seien wir spontan. Wir könnten im Rahmen des Verbalen unseren eigenen kleinen Wauzi entdecken. Da Herr Ulf aber verbal nicht ganz so spontan ist, grübelt er nun bei Spaziergängen darüber nach, was er der schönen Dame sagen könnte, sollte er sie wieder treffen und stößt dann letztendlich auf seinen Widersacher aus dem Büro…

Alexander Knaack
Verfolgen Alexander Knaack:

Alexander Knaack ist für die Medienagentur Peter Nickel im Bereich Online-Marketing tätig. Weiterhin bringt er sich redaktionell in Form von aktuellen Beiträgen im Blog TippsTrendsNews ein.