Entscheiderinterview mit Ursula Karven

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Die Schauspielerin Ursula Karven ist seitdem sie 1984 ihr Debüt in Nikolas Müllerschöns Kinofilm „Ein irres Feeling“ feierte, nicht mehr aus der Film- und Fernsehlandschaft wegzudenken. So erschien sie bereits an der Seite von Robert Wagner in der Kultserie „Hart aber herzlich“. Vielen von uns ist sie aber auch aus dem Hamburger Tatort bekannt, in welchem sie von 2005 bis 2007 die Staatsanwältin Wanda Wilhelmi spielte. Seit 1999 beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema Yoga und befasst sich darüber hinaus mit Entscheidungsfindungsprozessen.

Peter Nickel: Was sagen Sie zu dem Thema Entscheidungen und was machen diese mit Ihnen?

Ursula Karven: Es ist natürlich nicht so einfach Entscheidungen zu treffen, sonst würden wir die Diskussion nicht führen. Ich habe mich in letzter Zeit eben auch, weil ich mich ein paar Mal falsch entschieden habe, gefragt, woran das eigentlich liegt. Ich habe mich damit fast ein bisschen wissenschaftlich beschäftigt und habe angefangen mal zu schauen: Was passiert eigentlich im Körper.  Unser emotionales Gedächtnis, unser Verstand, also die Analyse und unser Bauchgefühl kommen zum Einsatz. Diese drei Faktoren müssen übereinstimmen, um eine gute Entscheidung zu treffen. Alles andere ist nicht wirklich gut entschieden. Früher habe ich die Intuition etwas stiefmütterlich behandelt. Aber dann habe ich einige Bücher gelesen und inzwischen bin ich schon so weit, dass ich keine Entscheidung treffe, wenn ich kein Bauchgefühl verspüre. Das Bauchgefühl zu erkennen kann man trainieren – wo sitzt dieses Gefühl und wie genau fühlt es sich an?

Peter Nickel: Ich habe auch festgestellt, dass die Qualität der Entscheidung nichts mit dem Zeitpunkt zu tun hat, nur das Ergebnis verschiebt sich nach hinten. Wenn der Bauch nicht so weit ist, dann muss man schauen, was man für einen Weg findet. Ich spiele dann beispielsweise den jeweiligen Entscheidungsprozess durch. Ich versetze mich dann in den Gefühlszustand, den ich dann in einem Jahr mit dieser Entscheidung haben werde und überprüfe, so wie gut eine Entscheidung ist.

Ursula Karven: Ja, genau, ich spiele -getrieben durch den Verstand- alle Konsequenzen von Entscheidungen durch. Ich kann allerdings nicht ein Jahr in die Zukunft blicken, das ist zu weit weg. Ich gehe also mit meinem Verstand alle Möglichkeiten durch und dann frage ich meinen Bauch und wenn ich dann keine Reaktion bekomme, dann warte ich.

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Peter Nickel: Gibt es richtungsweisende, beziehungsweise persönliche Entscheidungen, die Sie uns mitteilen möchten?

Ursula Karven: Die beste Entscheidung für mein persönliches Sicherheitsempfinden war, dass ich im Alter von 30 Jahren entschieden habe, nicht nur Schauspielerin zu sein, sondern auch Unternehmerin zu werden und gründete mit meiner Freundin Dana Schweiger die Firma bellybutton, welche Mode für schwangere Frauen und Babys anbietet. Dazu bewegte mich, das von mir beobachtete Schicksal großer Stars, die mit zunehmendem Alter mittellos wurden. Dies bereitete mir Angst, die ich jedoch für mich nutzte und mit der daraus neu gewonnenen Energie den Mut gefunden habe, weitere Unternehmen zu gründen und Herzenswünsche zu verwirklichen wie zum Beispiel: www.goodme.de

Peter Nickel: Haben sie abschließend noch einen Tipp für unsere Leser?

Ursula Karven: Mein Tipp lautet, achten Sie darauf, wie sich eine gute und wie sich eine schlechte Entscheidung anfühlt und wo Sie diese spüren. Sie sollten versuchen herauszufinden, wo sich ein gutes Bauchgefühl in Ihrem Körper manifestiert, um mit gewonnener Erfahrung zu lernen, Entscheidungen besser identifizieren und treffen zu können. Ich beispielsweise spüre schlechte Gefühle im Hals und gute Gefühle in der Brust.

Peter Nickel: Vielen Dank für das Interview

 

Bild von Ursula Karven © Björn Kommerell

 

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

Peter Nickel
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Eine Antwort

  1. Martina Bubl-Porro
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    Oh ja, das mit den Entscheidungen ist so eine Sache. Oftmals sind es im Grunde lapidare Entscheidungen (die wir spontan treffen), die nachhaltig auf unser Leben wirken können. Meine Entscheidung vor 12 Jahren, doch noch schnell auf die Toilette zu gehen, bevor ich weiterfahre, hatte nachhaltig fatale Folgen. Und wirkt sich heute noch auf weitere Entscheidungen aus. Durch den Zeitverlust des Besuchs auf der Toilette kam ich genau zu der Sekunde an die Stelle, wo ein Autofahrer einem stehenden Wagen auswich und frontal in mein Auto und mich hinein raste. Ok, manche sagen jetzt vielleicht, man könne seinem Schicksal nicht entkommen. Ich habe aber trotzdem genau diese Entscheidung des Besuchs auf der Toilette bitter bereut. Fast sechs Monate in Krankenhäusern und Reha. vier Monate im Rollstuhl, linker Arm gelähmt, gestörtes Sprachzentrum, als selbständige Trainerin und Coach kam kein Geld mehr rein: Existenznöte, Kampf mit der gegnerischen Unfallversicherung, Rückzug aus Beruf und Freundeskreis wegen schlimmster Schmerzen, viele Operationen und viele Folgeschäden…
    Alles auf den Kopf gestellt und dann aber doch irgendwie die Kurve kriegen. Sich neu erfinden. Sich selbst einen neuen Sinn geben. Aus dieser fatalen Entscheidung etwas Neues kreieren.
    Die Lust am Leben trotz Schmerzen wieder finden…
    Ich habe den Turnaround geschafft. Habe meine Erfahrungen mit meinem Wissen als Trainerin und Coach verquickt. Konnte mir selbst helfen, ohne Medikamente auszukommen und wieder Freude am Leben und Bewegung zu haben. Helfe nun online Menschen mit Schmerzen. http://www.lustauflebentrotzschmerz.ch
    Das hilft auch mir und macht mich wieder glücklich 🙂
    Und als Resümeé: es gibt nichts Schlechtes, das nicht (na ja irgendwann) was Gutes mit sich bringt. 😉
    Übrigens auch an dieser Stelle Ursula Karven nochmals ein herzliches Dankeschön! Ihr Programm “mach dich leicht” hat mich 17 kg abnehmen lassen und alle Medikamente auszuschwemmen…