Wie entscheiden Sie bei moralischen Zwickmühlen?

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Entscheidungen fallen uns in der Regel schwer, wenn die einzelnen Alternativen nicht eindeutig voneinander abzugrenzen sind. Und noch schwieriger wird es, wenn es um eine Entscheidung geht, dessen Ausgang wir obendrein für moralisch gewichtig halten. Dann liegt es an uns, ethisch fein säuberlich abzuwägen, so dass wir am Ende eine Entscheidung fällen können, die wir für vertretbar halten. Doch wie treffen wir moralische Entscheidungen?

Sie stehen an einer Weiche und beobachten gerade wie ein Zug, der offensichtlich die Kontrolle verloren hat, auf fünf Menschen zurast, die vom Zug zermalmt werden, sollten Sie nicht eingreifen. Sie können, da sie an der Weiche stehen, allerdings die Weiche mit Hilfe eines Hebels umstellen, so dass der Zug im letzten Augenblick abgelenkt wird und somit die fünf Menschen verschont werden. Hurra! Sie haben fünf Menschen das Leben gerettet. Allerdings ist die schlechte Nachricht, dass sich auf dem anderen Gleis eine Person befindet, die dann vom Zug erfasst wird. Sie stehen nun vor dem Dilemma, ob Sie eingreifen und einen Menschen opfern, um fünf zu retten oder lassen Sie es zu, dass fünf Menschen umkommen?Wie würden Sie entscheiden?

Dieses sogenannte Trolley-Dilemma wurde von der Philosophin Philippa Foot entwickelt und stellt eine klassische moralische Zwickmühle dar. In diesem Szenario bewegen sich die Befragten zwischen zwei Entscheidungsmöglichkeiten, die beide nicht gut sind. Nach welchen Kriterien wird das somit kleinere Übel ausgewählt? In diesem Szenario ist jedenfalls für 80% der Befragten das kleinere Übel den einen Menschen zu opfern, was bedeutete, dass sie den Zug umleiten. Für viele scheint die Antwort klar zu sein, da es offensichtlich besser ist, wenn nur einer stirbt, im Gegensatz zu fünf.

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Nun testen wir, wo die Schmerzgrenze verläuft und verschärfen das Beispiel: Diesmal sitzen wir nicht an einem Hebel, sondern stehen auf der Brücke und beobachten von oben, wie der Zug auf fünf Leute zu rast und sie umzubringen droht. Die einzige Möglichkeit, die Sie haben, ist einen dicken Mann, der vor ihnen steht, runter auf die Gleise zu stoßen, so dass das Gewicht des Mannes den Zug zum Stehen bringt. Das Ergebnis ist in diesem Beispiel wieder das gleiche. Entweder schauen wir zu, wie fünf Menschen umkommen oder wir greifen ein und opfern dabei eine Person. Doch die Befragten reagieren auf dieses Beispiel gänzlich anders. Dies konnte das Forscherteam um Albert Costa von der Universität Pompeu Fabra in Barcelona gut beobachten. Schließlich entschlossen sich nur noch 18 % der Befragten den dicken Mann zu stoßen. Es fühlt sich offensichtlich falscher an einen dicken Mann in den Tod zu stoßen im Gegensatz zum Umlegen eines Hebels. Zum großen Teil treffen wir so unsere Entscheidungen – per Gefühl! Schließlich fand das gleiche Forscherteam einen Weg, wie sie doch mehr Menschen dazu bekommen, sich zum Stoßen des dicken Mannes zu entscheiden. Sie konfrontierten die Befragten mit dem gleichen Szenario, aber in einer ihnen vertrauten Fremdsprache. Dies hatte zur Folge, dass auf einmal 44 % der Befragten den übergewichtigen Mann stoßen würden. Die Fremdsprache verursacht eine emotionale Distanz, die sie dazu bringt nüchterner Zahlen abzuwägen.

Wie so oft entscheiden wir nicht rational, sondern eher emotional und je nach emotionaler Nähe oder Distanz entscheiden wir unterschiedlich.

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

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