Das Kreieren von Glücksmomenten – damals & heute

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Die vielfältigen Möglichkeiten, die sich jedem von uns heutzutage bieten, um seine eigenen Glücksmomente zu kreieren, werden oft gepriesen, aber auch oft kritisch beäugt. Schließlich stellt sich die Frage, ob Glück im inflationären Gebrauch zunehmend verpufft? Sind unsere Gehirne überhaupt für die bunte Welt der allgegenwärtigen Glücksmomente geschaffen? Um diese Frage zu beantworten kontrastieren wir unsere heutige Jagd nach dem Glück mit der Phase, die für die Entwicklung unserer Gehirne prägend war – die Zeit, als wir als Jäger und Sammler über die weiten Ebenen Afrikas zogen.

Heute konzentrieren sich je nach beruflicher Situation häufig unsere Glücksmomente auf unsere gesetzlich zugesicherte Freizeit. So gesehen ist die Freizeit an sich schon ein Glücksmoment, doch unser Gehirn dürstet häufig nach Nahrung, nach Beschäftigung, so dass viele von uns ihre Freizeit erst als gelungen empfinden, wenn wir durch eine bestimmte Tätigkeit einen Glückmoment kreieren. Wir schauen uns beispielsweise einen guten Film an und Dank entsprechender Streaming-Portale können wir heutzutage sogar den Film aussuchen, der unserem gegenwärtigem Geschmack oder der jeweiligen Laune gerecht wird. Wir können uns in virtuelle Welten begeben, in denen wir ganze Schlachten  gewinnen. Wir können Dank der entsprechenden Infrastruktur fast überall hinreisen, wir können jahreszeitenunabhängig immer auf eine riesige Bandbreite an Lebensmitteln zu greifen…

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In den weiten Ebenen Afrikas gab es diese große Zahl an Wahlmöglichkeiten nicht. Freudige Momente waren, wenn man sich in Phasen der Dürre endlich etwas zu essen sicherte oder zu dramatischen Zeiten, freute man sich über Trinkwasser – man freute sich im Grunde, wenn man dem Tod von der Schippe springen konnte. Eine andere Quelle des Glücks sind zwischenmenschlichen Beziehungen – ein guter Spaß unter Freunden oder das Finden eines ansprechenden Sexualpartners. Nun haben wir heute wieder, wie bei so vielem, eine weitaus größere Wahl an zwischenmenschlichen Begegnungen als je zuvor. Überall sind wir von Menschen umgeben, die wir meist nicht kennen, aber sich als interessante Menschen entpuppen dürften, würde man sie erst kennenlernen. Wie frustrierend ist es, wenn man Einsamkeit in einer riesigen Metropole empfindet. Jeden Tag ist man umzingelt von Fremden – jeder einzelne könnte der Schlüssel zu einer glücklicheren Lebensphase sein, doch die anonymisierte Welt von heute verhindert häufig jede Annäherung. Das Glück ist so nah und scheinbar doch unerreichbar.

Einen Overkill an Glücksreizen gibt es in unserer modernen Gesellschaft was das Zwischenmenschliche anbelangt beim Thema Sex. Nicht nur, dass die Medien einen überall mit reizvollen Bildern versorgen, auch der Alltag ist mit realen Begegnungen bespickt, die unsere Datenbank der potentiellen Partner flutet. Hier ein nettes Lächeln, da ein interessanter Gang, dort ein freundlicher Smalltalk. Wie soll man sich da auf einen Partner langfristig festlegen?

Unsere Vorfahren hingegen zogen in kleinen Trupps durch ewige Weiten. Die Zahl der potentiellen Paarungspartner war dann doch eher überschaubar. Vielleicht gab es in der Sippe eine wirkliche Schönheit und die wurde bereits vom Alpha-Männchen beansprucht. Man konnte natürlich noch hoffen, dass man vielleicht vom Nachbarstamm eine interessante Frau rauben konnte.

Die damaligen Zeiten bestimmten regelrecht worüber wir uns freuen durften, doch heute mit den vielen Wahlmöglichkeiten müssen wir einfach ab und an einen gewissen Tunnelblick einbauen, um uns in die Welt unserer Vorfahren heineinzubegeben, so dass wir einen  Fokus auf unsere Glücksmomente legen und uns nicht ständig ablenken lassen.

 

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

Peter Nickel
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