Gaucks Entscheidung zur zweiten Amtszeit

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Nun ist es offiziell, Bundespräsident Joachim Gauck wird für keine zweite Amtszeit kandidieren. Solch eine Entscheidung zählt wohl zu den schwierigeren, die wir in unserem Leben zu fällen haben.

Als Bundespräsident Gauck vor der Entscheidung stand, ob er für eine zweite Amtszeit antreten sollte, musste er zwischen seinem beruflichen Pflichtbewusstsein und seinem persönlichen Wohlergehen entscheiden. Schließlich wünschten sich die Spitzen der etablierten Parteien eine weitere Amtszeit von Gauck, doch wahr ist eben auch, dass Präsident Gauck bereits 76 Jahre alt ist und es wohl schon spürt. Daher ist die Entscheidung aufzuhören vielleicht gerade ein Resultat beruflichen Pflichtbewusstseins, denn er weiß, was dieses Amt an Energie kostet. Und wie er es in seinen Worten ausdrückte: “Ich möchte für eine erneute Zeitspanne von fünf Jahren nicht eine Energie und Vitalität voraussetzen, für die ich nicht garantieren kann.”

Die Entscheidung zum Aufhören bedarf oft ähnlich viel Mut wie das Anfangen von Projekten. Denn sowohl das Anfangen wie das Aufhören leitet eine Veränderung ein. Und Veränderung ist, was viele von uns fürchten, schließlich steht Veränderung für das Ungewisse. Das Ungewisse ist nie wirklich kalkulierbar, sondern nur erahnbar. Wir bewegen uns also im Konjunktiv. Angesichts dessen zieht es so manch einer vor, sich lieber über die gegenwärtige Situation, die man kennt, zu beschweren, als durch eine Veränderung einen Wandel zum Ungewissen zu vollziehen.

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Gerade Machtpositionen können die Entscheidung zum rechtzeitigen Absprung vernebeln. Schließlich sind wir eine gefragte Person, befinden wir uns erst in einer machtvollen Position – das schmeichelt. Und was bleibt, nachdem wir diese machtvolle Position abgelegt haben? Sind wir dann einfach Rentner, wie all die anderen Rentner, nur etwas reicher und mit eigenem Büro? Oder werden wir zu einer Projektionsfläche für Nostalgiker?

Diese Sorge veranlasste vielleicht Menschen wie Helmut Kohl eine 20-Jährige Kanzlerschaft anzustreben. Eine so lange Kanzlerschaft, dass er allerdings nach 16 Jahren durch Herausforderer Gerhard Schroeder aus dem Amt gefegt wurde. Als dann die CDU-Spendenaffäre ans Licht kam, bekam man das Gefühl, dass das zu lange Thronen in Machtpositionen zu undurchsichtigen Seilschaften führen kann.

Auch Konrad Adenauer schien an der Macht zu kleben. Das Ende seiner Amtszeit war dadurch gekennzeichnet, dass er zu verhindern versuchte, dass er von Ludwig Erhard abgelöst wurde und da war er bereits Ende 80!

Die Amerikaner beispielsweise versuchen dem Kleben an Macht entgegenzutreten, indem sie die Präsidentschaft auf zwei Legislaturperioden beschränken, also maximal 8 Jahre und dann ist Schluss. Dem Präsidenten wird also die Entscheidung einfach abgenommen, ob er sich eine dritte Amtszeit zutraut.

Aufzuhören ist jedenfalls eine Entscheidung, die Respekt verdient, schließlich zeugt sie davon, dass man sich selbst und somit seine Grenzen einzuschätzen weiß. Und gerade in der Politik sind gelegentliche Wechsel doch erfrischend notwendig. Auch wenn sich im Falle Gauck, die meisten doch noch eine kleine weitere Amtszeit gewünscht hätten.

Verfolgen Peter Nickel:

Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

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