Entschieden gegen Terroristen in unserem Kopf

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Keiner sollte sich angesichts der vielfältigen Informationsmöglichkeiten, die sich einem heutzutage bieten, zurückziehen und seinen Kopf in den Sand stecken. Doch es gibt Stimmen, die darüber klagen, dass durch die Sensationsgier der Medien ein negatives Zerrbild der Wirklichkeit geschaffen wird und dieses Bild sorgt für Verstimmungen in Form von Depressionen oder gar Panik. Und um nun die eigenen Emotionen zu schonen, fühlen sich einige dazu gezwungen, sich der täglichen Berichterstattung zu entziehen. Aber gibt es nicht noch einen gesunden Mittelweg?

Tatsache ist, dass unser Gehirn mit archaischen Programmen ausgestattet ist, die unser Überleben lange vor den Massenmedien sichern sollten. Wenn wir also in Bedrängnis geraten, gibt es zwei Varianten, die über die längste Zeit unser Überleben gesichert haben –  Fight or Flight (Kampf oder Flucht). Alles andere wird mental ausgeknipst. Schließlich ist langes Grübeln nicht hilfreich, wenn man einem hungrigen Löwen gegenübersteht. Nein, diejenigen, die einfach so schnell flohen wie es ging oder gar das Raubtier mit einem Gegenangriff aus dem Konzept brachten, überlebten und bescherten uns durch Weitergabe ihrer Gene den Tunnelblick, den wir noch heute in Angstsituationen entwickeln.

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Terroristen wissen dies seit jeher auszunutzen. Unser Gehirn rationalisiert Gefahren nicht in Bezug auf Wahrscheinlichkeiten. Es sieht eine Gefahr und das mentale Programm läuft einfach. Das heißt, wenn wir in den Medien mitverfolgen wie Menschen während eines Konzertes umgebracht werden oder Flugzeuge in Wolkenkratzer rauschen, wird bei vielen Zuschauern das alte Überlebensprogramm angeschmissen. Auch wenn statistisch die Gefahr viel wahrscheinlicher ist im Straßenverkehr zu sterben als Opfer eines terroristischen Anschlages zu werden, behandeln Menschen die Terrorgefahr nach einem Anschlag als legitim. Wurde ein Flugzeug entführt haben am darauffolgenden Tag die meisten Menschen ein mulmiges Gefühl vor dem Fliegen, wobei in Wirklichkeit die Fahrt zum Flughafen wohl viel gefährlicher war als der Flug selbst. Diese Mentalität spielt natürlich den Terroristen in die Hände, schließlich können sie so mit äußerst einfachen Methoden ganze Industriezweige, wie die der Freizeitindustrie lahm legen.

Allerdings können wir uns auch dagegen entscheiden Geiseln unserer archaischen Denkprozesse zu sein, indem wir uns bei dem, was wir sehen kleine Reflektionsphasen gönnen, während denen wir das Gesehene relativieren können. Die gerade gezeigten Anschläge sind furchtbar und es ist nur menschlich, dass wir über den völlig sinnlosen Tod von Zivilisten erschüttert sind. Doch wir brauchen nicht mit einem mulmigen Gefühl aus dem Haus gehen. Wahrscheinlich ändert sich für die aller meisten rein gar nichts im Alltag, außer eben das Kopfkino.

Entscheiden wir uns also für einen besonnen Film, der durch unser Hirn rauscht.  Wir verarbeiten die Informationen und überlegen uns sachlich welche Konsequenzen auf den Anschlag in Form von Gesetzesänderungen Sinn ergeben und welche nur Ausdruck von Aktionismus sind. Gerne dürfen wir uns in diesem Zusammenhang die üblichen Debatten anschauen und uns überlegen wer wohl Recht hat und wen wir wohl das nächste Mal wählen. Doch zwischendrin sollten wir immer wieder mal nach draußen schauen und uns vor Augen führen, dass sich für uns diese Welt wohl nicht dramatisch verändert hat.

 

 

 

Alexander Knaack
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Alexander Knaack ist für die Medienagentur Peter Nickel im Bereich Online-Marketing tätig. Weiterhin bringt er sich redaktionell in Form von aktuellen Beiträgen im Blog TippsTrendsNews ein.