Flüchtlingsdebatte – entscheiden wir uns für Gefühle an der richtigen Stelle

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Diskussionen und Debatten sollten im Allgemeinen der Wahrheitsfindung dienen. So sollten wir eine Diskussion intellektuell bereichert verlassen. Doch unsere Emotionen hindern uns bei gewissen Themen sachlich zu bleiben und schon sind sämtliche Grundregeln einer kultivierten Diskussion vergessen. Doch muss das so sein?

Können wir uns nicht für einen kultivierten Rahmen unserer verbalen Auseinandersetzungen entscheiden?

 

Der gemeinsame Austausch von Argumenten sollte im Idealfall zu einem Erkenntnisgewinn führen, während die eigenen Argumente auf Schwachstellen geprüft werden. So sollte jeder als Gewinner aus einem Streitgespräch hervortreten. Bei manchen Themen scheint dieses Ideal auch einfacher erreicht zu sein, während es sich bei anderen Themen als sehr schwierig entpuppt. Themen, die ausschließlich eine intellektuelle Relevanz für uns haben, können wir auch eher intellektuell begegnen. Sind wir uns beispielsweise darüber uneins, wer nun der bedeutendere Impressionist ist, Monet oder Renoir, dann wird die Tatsache, dass die Debatte auf einem kultiviertem Niveau bleibt keine große Überraschung sein. Heikler wird es schon, wenn es darum geht, welcher Politiker der fähigere ist, vor allem, wenn es sich um Politiker dreht, die aktuell zur Wahl stehen. Hier sehen schließlich viele eine direkte Verknüpfung zwischen unserer Lebensqualität und den vorgetragenen Argumenten. Besonders eindrucksvoll können wir dies derzeit in den USA beobachten, wo der Präsidentschaftswahlkampf so emotional geführt wird, wie schon lange nicht mehr. Regelmäßig sind Prügeleien vor Trump-Kundgebungen zu beobachten. Schließlich hat jede Seite das Gefühl, dass sollte die andere Seite sich durchsetzen, die Gesellschaft und somit das eigene Leben zusammenzubrechen droht. Angesichts solcher Dramatik dürfen die „falschen“ Argumente einfach nicht die Oberhand gewinnen. So sehen sich die aufgehitzten Gemüter nicht als Teil einer Debatte, sondern eher als Kämpfer für die richtige Sache. Der Verstand entwickelt einen Tunnelblick und ist somit nicht länger offen für neue Sichtweisen und Argumente, schließlich geht es primär darum ideologische Gegner zu identifizieren.

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Eine Debatte, die Deutschland wie schon keine mehr polarisiert, ist die Flüchtlingsdebatte.

Die einen sehen durch einen Ansturm auf die sozialen Kassen, durch Überfremdung und wachsende Kriminalität ihr Heimatland gefährdet, während die Gegenseite Deutschlands Zerfall durch wachsenden Fremdenhass sieht. Egal wie wir nun zu diesem Thema stehen, sollten wir angesichts dieser Debatte keinen Hass entwickeln – nicht für unsere Streitpartner und schon gar nicht für die Flüchtlinge, die alles hinter sich gelassen haben, um eine neue Zukunft für sich zu beanspruchen. Denn selbst, wenn man ein erbitterter Gegner der Flüchtlingspolitik ist, sollte man doch die individuellen Motive der Fliehenden nachvollziehen können. Wer würde nicht angesichts von Bedrohung und Bomben einen sicheren Hafen anstreben? Gerade wenn Kinder, denen jeder eine positive Zukunft wünscht, im Spiel sind, ist doch nachvollziehbar, dass Eltern nicht für immer in einer provisorischen Zeltstadt hausen wollen, sondern einen Ort mit Zukunft für ihre Kinder anstreben, einen Ort, wo sie sich etwas aufbauen können. Dennoch leben laut Pro Asyl heute noch 86% der Flüchtlinge in Entwicklungsländern. Also bei aller Debatte lasst uns nicht an falscher Stelle zu emotional werden. Denn es gilt Argumente nüchtern zu verarbeiten, aber, wenn wir Menschen in Not gegenüber stehen, dürfen wir uns daran erinnern, dass wir Gefühle haben und unsere menschliche Seite entdecken.

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

Peter Nickel
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One Response

  1. Martina Tischler
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    Danke für Ihre ruhige und besonnene Art und Weise, dieses schwierige Thema der Fluechtlinge und ihrer Situation aufzugreifen. Sie haben es, wie so oft, genau auf den Punkt gebracht. Bei allen unterschiedlichen Darstellungsweisen und Meinungen, vergessen wir bitte niemals, das diese Menschen überwiegend nicht flüchten wollten, ihre Heimat, ihre Familien, ihr Leben, wirklich alles verloren haben. Pure Verzweiflung hat ihnen nur diese eine Moeglichkeit und Chance gegeben, sie haben definitiv eine Entscheidung treffen müssen, dessen Ausmaß sie in ihrer letzten Konsequenz nicht beurteilen konnten. Es ist Menschenpflicht ihnen ohne wenn und aber jetzt zu helfen.