Nicht zum Truthahn werden bei Entscheidungen

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Wir leben in einer Welt voller Variablen. Die Folge sind unzählige Konsequenzen, die hinter jeder Entscheidung lauern. Das lässt uns das Entscheiden schwer fallen, schließlich gibt es Konsequenzen, die wir unbedingt vermeiden wollen. Wie finden wir uns also zurecht im wilden Dschungel der Entscheidungsmöglichkeiten?

Bei komplexen Systemen wie wirtschaftlichen Entwicklungen auf dem globalen Markt setzten wir gerne auf Datenauswertung, um Zukunftsprognosen zu erstellen. Im wahren Leben beobachten wir unsere Umgebung und ziehen daraus Rückschlüsse. Die Truthahn-Illusion, ein Begriff aus der Verhaltensökonomik  gibt uns Aufschluss darüber, wie sehr wir mit dem falschen Ansatz, trotz logisch klingender Zukunftsprognosen, danebenliegen können.

Also der Truthahn lebt fröhlich vor sich hin, wenn da nicht der Farmer wäre, der ihn immer wieder zu Tode erschreckt. Schließlich ist der Farmer ein Mensch und ein Mensch kann zu einer großen Bedrohung für einen mittelgroßen Vogel werden. Nun stellt der Truthahn allerdings fest, dass sein Kopf vom Farmer nicht umgedreht wird, sondern, dass er stattdessen gefüttert wird. Und schon ist eine vertrauensbildende Maßnahme entstanden.

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Jeden Tag wächst das Vertrauen des Vogels ein wenig, schließlich bezieht sich der Truthahn intuitiv auf die mathematische Formel des Wahrscheinlichkeitstheoretikers Pierre Simon de Laplace: Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas nochmal passiert, wenn es schon n Male zuvor passiert ist = (n + 1)/(n + 2).

n steht in diesem Falle natürlich für die Anzahl der Tage, die der Bauer sich vertrauensstiftend dem Vogel gewidmet hat. Laut Formel nimmt die Gewissheit jeden Tag zu, dass der Farmer freundlich gesonnen ist. Nach dem ersten Tag liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Truthahn am nächsten Tag gefüttert wird bei 2/3, am nächsten Tag liegt sie bereits bei 3/4.  Natürlich schmilzt gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, dass er getötet wird. Die Wahrscheinlichkeitsregel nach Laplace sagt dem Truthahn, dass je häufiger sich ein Ereignis wiederholt, es sich desto eher um eine feste wiederkehrende Gesetzmäßigkeit handelt.

Was der Truthahn  allerdings nicht weiß und was ihm auch die Formel nicht verrät, ist, dass er nur für das kommende Thanksgiving gemästet wird. Jeder Tag, an dem er sich sicherer fühlt, rückt der Tag näher, der zu seinem Verhängnis wird und an dem Tag, an dem er sich mathematisch am sichersten fühlen sollte, entpuppt sich der Farmer als tödlicher Feind!

Was ist nun schief gegangen?

Der Vogel hat den Trendbruch nicht erkennen können, da er die Ursache des Trends nicht kannte. Er wurde ja schließlich nur wegen dem Schlachttag gefüttert.

Kreativität und Perspektivwechsel sind also wichtig, um Handlungsmotivationen anderer nachzuvollziehen und somit Gründe von Trends zu verstehen. Und das ist wichtig, um selbst nicht zum Truthahn zu werden.

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

Peter Nickel
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