Zur Stellungnahme entscheiden

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Sich zu einer Stellungnahme zu entscheiden, ist nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Schließlich halten nicht alle das offene Wort für die beste Lösung. Denn es gibt genügend Menschen, die befürchten, dass bestimmte Probleme erst durch die Thematisierung entstehen.

Gerade bei so heiklen Themen wie Terror zu Zeiten der Flüchtlingsdebatte ist Obacht geboten und kaum jemand im Kreise der Spitzenpolitiker ist geübter im Obacht halten als Angela Merkel. Einen lockeren Satz, den sie mal zwischendrin einem Journalisten an den Kopf knallt, von dem sie sich später wieder distanzieren muss, wird man bei ihr kaum finden. Also ist es nur wenig überraschend, dass sie sich eben während der aufwühlenden Attacken der letzten Zeit bedeckt hielt. Während es beispielsweise in den USA üblich ist, dass Obama nach jeder größeren Schießerei vor die Presse tritt und eine Rede darüber hält, wo Amerika in Bezug zu der jeweiligen Tragödie steht, schwieg die Kanzlerin erst mal.

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So musste Obama beispielsweise, als er in Dallas der fünf ermordeten Polizisten gedachte, den Spagat schaffen, die Polizei und ihre Arbeit entsprechend zu würdigen, aber auch anzuerkennen, dass es in der Gesellschaft Rassismus gegenüber dunkelhäutigen Amerikanern gibt. Die große Frage ist nun wozu sich Merkel hätte entscheiden sollen? Das Thema Amok und Terrorismus sind nun zu groß geworden, um sie einfach weg zu ignorieren.

Also war klar, dass sie früher oder später vor die Presse treten würde. Am 28.07.16 war es dann soweit. Die Stellungnahme verlief im nüchternen Merkel-Stil. Ein neun-Punkte-Plan sollte für Klarheit und Beruhigung sorgen:

1. „Frühwarnsystem“, um radikalisierte Flüchtlinge schnell zu erkennen

2. Mehr Polizisten mit besserer Ausstattung

3. Stelle zur Entschlüsselung der Netzkommunikation

4. Übungen zur Vorbereitung von Bundeswehreinsätzen im Inneren

5. Forschung und Prävention

6. Mehr Datenfluss in Europa

7. Online-Waffenkauf unterbinden

8. Stärkere Kooperation der Geheimdienste

9. Mehr Abschiebungen

Die heikle Frage ist eben, ob sie die Themen isoliert von der Flüchtlingspolitik besprechen sollte? Verbindet sie diese Themen, wird sie mit dem Vorwurf konfrontiert, sie biedere sich dem rechten Rand an. Spart sie diese Themen aus, wird ihr Kopf-in-den-Sand-Taktik vorgeworfen. Doch eine gute Rede zur richtigen Zeit, kann auch eine große Chance sein. So wird heute noch Ronald Reagan zitiert, als er nach der Challenger-Katastrophe die Nation tröstete. In diesem Augenblick wurde er zur Identifikationsfigur einer ganzen Nation, die ein Stückchen enger zusammenrückte. Doch ob Angela Merkel so etwas gelingen könnte?

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

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