Unsere Mitmenschen realistisch bewerten, um zu guten Entscheidungen zu kommen

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Um gute Entscheidungen zu treffen, müssen wir die Wirklichkeit bewerten, um aus ihr die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Ein zu bewertendes Element unserer Umwelt, dessen Wichtigkeit wir nicht stark genug betonen können, sind unsere Mitmenschen. An ihnen liegt es, ob ein Projekt steht oder fällt, sei es ein arbeitsbezogenes Projekt oder eines privater Natur wie gemeinsamer Urlaub oder eine Partnerschaft. Welche Fehler können uns also bei der Bewertung unterlaufen, die dann zu schlechten Entscheidungen führen?

Einen beliebten Fehler bei der Beurteilung Anderer benennt der Psychologe Daniel Kahnemann als den Halo-Effekt. Der Halo-Effekt beschreibt das psychologische Phänomen, aus bekannten Eigenschaften bei Personen auf unbekannte Eigenschaften zu schließen. Wenn wir also beispielsweise eine Person aufgrund seines guten Humors wertschätzen, neigen wir dazu diesen Menschen allgemein positiv zu kategorisieren. Eine lustige Gestalt, die auf jeder Party das brodelnde Leben darstellt, beschert uns allen eine gute Zeit. Wie könnten wir dann von ihm annehmen, dass er eigentlich ein unangenehmer Raufbold ist, der auch mal gerne Schwächere malträtiert, wenn er sich in anderen Kreisen bewegt? Das würde doch die lustigen Stunden, die wir mit ihm herzhaft gelacht haben, schmälern. Also, um im Rückblick dem Erlebten eine gewisse Kohärenz zu verleihen, werden sämtliche Eigenschaften einer Person mit einem für uns besonders wichtigen Attribut zur Deckung gebracht. Das rundet die persönliche Biographie ab und lässt erklärungswürdige Momente verpuffen.

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Warum hast du mit diesem Raufbold gelacht? Die Antwort müsste dann lauten, die Witze waren eben gut. Also war es kein Lachen aus Sympathie, sondern lediglich eine Reaktion auf gelungene Pointen. Waren die Pointen wirklich gut genug, um eine gute gemeinsame Zeit mit dieser Person zu rechtfertigen? Und schon wird es kompliziert, also greifen wir auf den beliebten Trick zurück und bestreichen die gesamte Person mit dem Anstrich des sympathischen Witzeerzählers – „er ist doch echt in Ordnung. Die Vorwürfe wurden sowieso nie bewiesen…“ Diese Eigenschaft menschliche Attribute Anderer zu verallgemeinern, machen sich auch Kriminelle zu nutze. Sie geben sich bewusst sympathisch, um die scheinbare Wahrscheinlichkeit zu minimieren, sie könnten antisozial motiviert sein. Der US-amerikanische Anlagenbetrüger Bernie Madoff hat es im Jahre 2008 laut Anklage auf einen Gesamtschaden von  mindestens 65 Milliarden Dollar gebracht! Seine Betrügereien konnte er so weit treiben, weil viele seiner Opfer auf die nötige Kontrolle verzichteten, da er doch so vertrauenswürdig, sprich sympathisch wirkte. Andersherum wirkt natürlich auch dieser Effekt. So fällt es uns schwer anzuerkennen, dass ein Massenmörder nett zu seinem Haustier sein könnte.

Lasst uns also darüber reflektieren, ob wir realistisch Menschen und Situationen beurteilen oder ob wir einfach nur versuchen etwas Kohärenz in unsere Biographie zu bekommen.

 

 

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

Peter Nickel
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