Entscheiderinterview mit Wolfgang Grupp

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Wolfgang Grupp hat sich als geschäftsführender Eigentümer der Firma Trigema einen Namen als erfolgreicher Unternehmer gemacht. Schließlich hat er mit dem Erfolg seiner Firma bewiesen, dass Textilunternehmen auch im Wirtschaftsstandort Deutschland florieren können.

Peter Nickel: Vielen Dank für die Zeit, die Sie uns widmen. Als Unternehmer haben Sie täglich mit Entscheidungen zu tun. Was sagen Sie denn generell zu dem Thema Entscheidungen?

Wolfgang Grupp: Als Person mit Verantwortung entscheide ich konstant. Wer als Mitarbeiter mit einer Frage zu mir kommt, bekommt eine Antwort, so dass er wieder zufrieden gehen kann. Und wenn er mit einem Problem kommt, so wird das Problem entweder direkt gelöst oder ich übernehme das Problem, damit der Mitarbeiter befreit meinen Schreibtisch verlassen kann. Wenn dies täglich so gehandhabt wird, gibt erst gar kein großes Problem. Denn jedes große Problem begann schließlich mal klein. Das eigentliche Problem ist also, dass Leute keine Entscheidungen treffen.

Um ein praktisches Beispiel zu nennen: Heute wird Merkels Flüchtlingspolitik kritisiert. Sicher hat sie die Entscheidung richtig getroffen, als das Problem auf sie zukam. Allerdings hat sie nicht den Mut gehabt diese Entscheidung zu korrigieren, als sie erkannte, dass diese Entscheidung von nicht relevanten Flüchtlingen ausgenutzt wird. Da hätte sie die Entscheidung kurzfristig an neue Erkenntnisse anpassen müssen. So wäre die ganze Diskussion erledigt gewesen. Die Stärke eines Entscheiders ist es den Mut und die Größe zu haben, seine Entscheidung von gestern heutigen Erkenntnissen anzupassen.

Peter Nickel: Es ist vorbildlich, dass Sie sich immer ganz klar positionieren und Menschen mit klaren Positionen können auch gut Entscheidungen treffen. Gab es denn eine elementare Entscheidung in Ihrem Leben von der Sie uns erzählen wollen?

Wolfgang Grupp: Alle meine Entscheidungen sind im Einzelnen nicht so bedeutend. Wenn wir den Wandel der Zeit betrachten, dann kann es nicht sein, dass jemand damals sagte: „Ich entscheide jetzt etwas ganz Gravierendes.“ Sondern er hat den Wandel der Zeit mitgemacht und seine Entscheidungen konstant erweitert oder angepasst. Später nach 10 Jahren sagt er dann: „Es war gut, dass wir so entschieden haben.

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Peter Nickel: Haben Sie einen Entscheidertipp für unsere Leser?

Wolfgang Grupp: Eine Entscheidung ist generell sehr einfach zu treffen. Man muss nur die Kompliziertheit, die in unserer heutigen Zeit herrscht, ablegen. Einfach und simpel entscheiden!

Wenn ich beispielsweise heute Nacht nach Hause komme und mich ein Färber nachts um elf anruft und mich fragt, wie man den Stoff färben soll und ich habe keine Ahnung, dann sage ich spontan: „Grün!“. Dann geht er zurück in seine Abteilung und erzählt: „Den Chef kannst du fragen, was du willst, der weiß immer Bescheid. Wir brauchen grünen Stoff.“ Am anderen Morgen fällt mir ein, dass ich für den Kunden X eigentlich rot brauche. Das ist kein Problem für mich. Ich rufe einfach an und sage: „Ich habe heute Nacht grün gesagt, aber mir ist noch eingefallen, dass ich für den Kunden dringend roten Stoff brauche.“ Dann färben sie den ganzen Tag lang rot, so dass ich am Ende des Tages roten und grünen Stoff habe. Hätte ich nicht entschieden, hätten sie gar nichts mehr gemacht. Das heißt ich muss entscheiden, damit es vorwärts geht.

Peter Nickel: Das Schlimmste ist nicht zu entscheiden, weil dann irgendwann andere für uns entscheiden.

Wolfgang Grupp: Richtig, die größte Fehlentscheidung ist eine Nicht-Entscheidung, denn dann entscheidet die Zeit.

Peter Nickel: Vielen Dank für das Gespräch.

Peter Nickel
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Entscheider, Unternehmer und Agenturinhaber, Gründer des Unternehmerformats „TippsTrendsNews“ auf N24, Topspeaker. Zudem ist er Chancengeber, Möglichmacher, Visionär und Antreiber.

Peter Nickel
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